Es gehört eine ganze Menge Mut dazu

Reiterin Nina Hense-Österle ist Mitglied im bayerischen Kader Von Benjamin Schwärzler Stiefenhofen. Mit drei Jahren hat Nina Hense-Österle das erste Mal auf einem Pferd gesessen, vier Jahre später ihr erstes Springreiten bestritten und mit zehn Jahren die schwäbische Meis-terschaft in der Dressur gewonnen. Mittlerweile ist die zwölfjährige Schülerin vom Reitverein Wolfsried Mitglied im bayerischen Landeskader der Ponyspringreiter. An diesem Wochenende startet sie mit ihrem Pony 'Nice Lady' bei der bayerischen Meisterschaft in München-Riem. Allerdings geht Nina, die die 6. Klasse der Montessorischule Oberstaufen besucht, als Außenseiterin ins Rennen. Sie ist die zweitjüngste Teilnehmerin ihrer Altersklasse, die Konkurrenz ist teilweise vier Jahre älter. Angst hat sie dennoch keine. 'Es kommt eben darauf an, wie mein Pony an dem Tag drauf ist', sagt sie. Denn das Verhältnis zwischen Reiterin und Tier sei beim Springreiten entscheidend: Beide müssen die Schwächen des anderen gegenseitig ausgleichen. 'Konzentration ist das A und O', sagt Mutter Gudrun Hense über den rund zweieinhalb Minuten dauernden Wettkampf. Man müsse das Pony im hohen Tempo beherrschen und das Gefühl dafür bekommen, die Distanz zwischen Pferd und Hindernis einzuschätzen. Hinzu kommen Koordination und Gleichgewichtsgefühl. 'Sonst gibt es blaue Flecken.' Es komme immer wieder mal vor, erklärt Nina, dass sie von einem ihrer Ponys abgeworfen wird.

'Reiten ist eben eine Mutfrage', sagt die Wolfsriederin, die sich bei Wettkämpfen stets durch Helm und Sturzweste vor gröberen Verletzungen schützt. Kostspielige Angelegenheit Nina besitzt drei Ponys: 'Nemo', 'Nice Lady' ('sind beide sehr zappelig') und 'Conchetto' ('ein frecher Faulpelz'), mit denen sie täglich bis zu drei Stunden mit Reiten und Pflege verbringt. 'Wenn man gut sein will, muss man viel reiten', erklärt Gudrun Hense, früher wie ihr Mann erfolgreiche Springreiterin bis zur Klasse M. Bei Nina trägt das Training langsam Früchte: Die zweifache schwäbische Meisterin gehört dem 16er-Kader der bayerischen Springreiter an. Aus dem Allgäu ist sonst nur noch die Kemptenerin Stefanie Paul im Landeskader dabei. In den Ferien und am Wochenende stehen Lehrgänge in München und Franken an. Das Reiten ist auf diesem hohen Niveau eine kostspielige Angelegenheit. Ein Sportpony der gehobenen Klasse kostet zwischen 10000 und 20000 Euro. 'Für Anfänger gibt es jedoch auch Tiere ab 2000 Euro', berichtet Gudrun Hense. Hinzu kommen bei Nina jährliche Fahrt- und Turnierkosten in Höhe von rund 10000 Euro. Sattelzeug und Kleidung schlagen mit 1500 Euro zu Buche, haben jedoch eine Lebensdauer von rund fünf Jahren. Da wirken die Preisgelder, die Nina bei den Turnieren erhält, eher bescheiden: Für einen Sieg gibt es im Schnitt zwischen 50 und 60 Euro. Im vergangenen Jahr hat die Zwölfährige die beachtliche Summe von 8000 Euro eingestrichen. Damit schnuppert sie bereits ein bisschen an ihrem großen Traum 'Berufsreiterin'. Etwas mit Pferden soll es auf jeden Fall sein. Und Nina hat ihre Fühler bereits ausgestreckt: Sie verdient sich ihr Taschengeld, indem sie auf der heimischen Reitanlage die Jungtiere (vier bis sechs Jahre) fremder Züchter 'anreitet', also an einen Reiter gewöhnt.

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