Füssen
Es bleibt bei zehn bis 15 Jahren

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stärkt Landrat Johann Fleschhut beim Kampf gegen die Schwarzbauten im Wasenmoos den Rücken: Die Übergangsfristen von zehn bis 15 Jahren, die den illegal errichteten Gebäuden eingeräumt werden, seien «sehr großzügig» - für eine Verlängerung sieht der Minister keine Handhabe. «Wir werden die Flinte nicht ins Korn werfen», sagt dagegen der Füssener Hannes Schäfer. Er und seine Mitstreiter wollen sich nun an den Petitionsausschuss des Landtags wenden, damit die Schwarzbauten länger stehen bleiben dürfen.

Wie mehrfach berichtet, will das Landratsamt den seit Jahrzehnten um sich greifenden Schwarzbau-Sumpf im Wasenmoos nun trockenlegen. 16 Wohnhäuser, 53 Wochenendhäuschen und etliche weitere illegale bauliche Anlagen (von Zäunen über Schuppen bis Anbauten) sollen abgerissen werden. Allerdings nicht sofort. «Wir wollen Paragrafen nicht einfach und schnell umsetzen, ohne zu fragen, welches Schicksal dahinter steckt», sagte gestern Landrat Johann Fleschhut bei einer Pressekonferenz. Auch Füssens Bürgermeister Paul Iacob betonte: «Es handelt sich hier nicht nur um Bauwerke, sondern auch immer um Menschen.»

Vergeblicher Hilferuf

Daher bietet das Landratsamt den Eigentümern Verträge an, in denen die sogenannte Restnutzungsdauer für die Schwarzbauten geregelt wird (siehe Infokasten). Diese Fristen seien zu kurz, monierten die Betroffenen. So wollen sich Hannes Schäfer und seine Mitstreiter aus dem Vordermoos mit aller Macht dagegen wehren, dass ihre illegalen Wochenendhäuschen bereits nach zehn Jahren abgerissen werden sollen. Sie wandten sich an das Innenministerium und baten sogar den Ministerpräsidenten (siehe Foto) um Hilfe. Vergebens. Auch im Namen von Seehofer habe Minister Herrmann mitgeteilt, «dass unser Vorgehen zutreffend war und ist», betont Fleschhut.

Er appelliert an alle Betroffenen, nun die Verträge mit dem Landratsamt zu besiegeln - so wie es bereits fünf Eigentümer getan haben. Bis Ende Januar 2010 haben diese Zeit, sich zu entscheiden. Lehnen sie einen Vertrag ab, müsse das Landratsamt «den anderen Weg beschreiten», kündigte Fleschhut an. Soll heißen: Dann werden Beseitigungsanordnungen erlassen.

So schnell aufgeben will Hannes Schäfer nicht. Er hat inzwischen privat an den Ministerpräsidenten geschrieben und will nun auch den Petitionsausschuss einschalten. «Es geht ja nicht darum, dass wir die Verträge nicht unterschreiben wollen, sondern um die Dauer.» 20 Jahre sollten den Schwarzbauten schon eingeräumt werden, schwebt Schäfer vor - «das wäre eine menschliche Entscheidung». Denn die meisten Nutzer von Gebäuden im Wasenmoos seien um die 60 Jahre alt, diesen Menschen würde man mit einer längeren Übergangsfrist entgegenkommen.

Keine Chance hat übrigens der Vorschlag des Stadtrates, der erheblich längere Fristen vorsah: Er sei nicht akzeptabel, meinte auch Innenminister Herrmann.

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