Weiler-Simmerberg
Erst ordentlich essen, dann lernen

Mit leerem Magen lernt es sich schlecht. Deshalb heißt es seit Kurzem an der Grund- und Hauptschule Weiler: Erst futtern, dann pauken. Schulsozialarbeiter Peter Kramer, Anerkennungspraktikantin Anja Denzel und Gitti Rief vom gemeindlichen Arbeitskreis (AK) «Miteinander» bieten Schulkindern seit dem Ende der Herbstferien die Möglichkeit, ab 7 Uhr in der Mensa gesund, ausgiebig und in Ruhe zu frühstücken.

Dass ein Schultag mit einem häuslichen Frühstück in familiärer, heimeliger Atmosphäre beginnt, ist nicht für jedes Kind die Regel. Aus unterschiedlichen Gründen, die laut Schulsozialarbeiter Peter Kramer teils im familiären Bereich liegen, teils aber auch mit der Berufstätigkeit beider Elternteile zu tun haben, machen sich einige Kinder ohne einen wärmenden Tee oder Kakao und ohne Müsli oder Honigbrot auf den Weg in ihren immerhin auch mehrstündigen Arbeitstag.

Kinder packen mit an

«Wir wollen den Kindern, die es nicht schaffen, daheim zu frühstücken, hier eine Möglichkeit bieten, das nachzuholen. Dabei verstehen wir uns nicht als Restaurant´. Die Kinder packen mit an, decken den Tisch oder räumen die Spülmaschine ein», erklärt Anja Denzel.

Zusätzlich legt sie großen Wert auf eine heimelige Atmosphäre mit Kerzen, Dekoration und vor allem essen ohne Hektik - und sie sitzt immer mit am Tisch: «Die Kinder suchen das Familiäre. Einige kennen das von zu Hause nicht, also vermitteln wir ihnen das ein bisschen.»

Rohkost statt Süßigkeiten

Normalerweise nutzen sieben bis acht Schulkinder dieses kostenlose Angebot; an manchen Tagen sind es bis zu 15. «Wir erfassen hier nur einen Bruchteil der Kinder. Eigentlich läge der Bedarf höher», weiß Peter Kramer aus Gesprächen mit Lehrkräften.

Ausschlaggebend für die Einrichtung dieses Schülerfrühstücks war eine für Kramer erschreckende Beobachtung: «Die Kinder kamen entweder ganz ohne Frühstück oder mit einer Tüte Süßigkeiten in der Hand.» Daraufhin stellten Anja Denzel und die ehemalige stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Gitti Rief bei Gesprächen fest, dass durchaus Bedarf für ein Schülerfrühstück mit ungesüßtem Tee, Marmelade, Rohkost, Obst und Käseprodukten vorhanden war.

Gitti Rief als Vertreterin des Arbeitskreises «Miteinander» übernahm das Organisieren der Lebensmittel und ist bei vielen heimischen Firmen, wie etwa den Bäckereien Schwarz und Wucherer sowie der Firma Hochland, die bereitwillig das Sponsoring übernommen haben, nicht abgewiesen worden. Auch Eltern lassen sich als Unterstützer nicht lumpen. «Tee, Äpfel, Obst, Margarine oder Butter sind als Spenden immer willkommen», so Gitti Rief.

Der Erfolg gibt der Aktion bereits jetzt recht: Kinder von der ersten bis zur 9. Klasse sitzen am Tisch, ratschen und futtern Brote dick belegt mit Gurkenscheiben oder Frischkäse, so dass kaum ein Krümelchen übrig bleibt. «Und das Beste ist», so eine Schülerin, «dass wir hier Frühstückstüten bekommen und uns sogar für die Pause Brote schmieren dürfen.»

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