Ernst Barlach im Mittelpunkt

Ausstellung im Stadtmuseum - Illustrationen zu Werken von Goethe bis Hemingway Lindau (bc). Mit Goethe, Heine, Rilke, Hesse, Kafka, Brecht und Hemingway beschäftigt sich die Ausstellung 'Illustrationen' im Stadtmuseum. Ernst Barlach steht dabei im Mittelpunkt. Auf der anderen Seite sind fünf zeitgenössische Künstler der Gesellschaft der Kunstfreunde Lindau, die mit dieser Werkschau ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Es sei gewissermaßen ein Experiment, mitten in den Sommerferien eine neue Ausstellung zu eröffnen. Doch angesichts des Besucherandrangs im Innenhof des Cavazzen hat es sich gelohnt, das Wagnis einzugehen. Mit diesen Worten begrüßte Kulturamtsleiterin Angela Heilmann die Vernissagegäste. Eine nächste Besonderheit ist, dass die Ausstellung streng genommen zweigeteilt ist: Im Erdgeschoss sind der vollständige Zyklus der Goethe-Illustrationen von Ernst Barlach zu sehen und im ersten Stock Arbeiten von Honest Schempp, Elisabeth Hummler, Anne Messmer-Steinmann, Uta Weik und Linda Jansen. Hauptanlass ist das Jubiläum der Gesellschaft der Kunstfreunde, die vor 50 Jahren mit Barlach ihre Ausstellungstätigkeit begannen. Barlach, 1870 in Wedel bei Hamburg geboren, beschäftigte sich schon in den 1890er-Jahren mit Goethes Dichtkunst. Diese zu illustrieren, übersetzt zu erleuchten, bedeutet, die Textvorlage ins Bild umzusetzen, also quasi ohne Worte eine Geschichte zu erzählen. Barlach hat sich 1923 mittels des Holzschnitts Goethes Walpurgisnacht angenommen. In diesen kleinformatigen Blättern sind seine formalen Bezüge zum deutschen Expressionismus unverkennbar. 'Faust, tanzend mit der Jungen' oder das schwebende, wie entrückt wirkende Gretchen gehören ebenso dazu wie die Trödelhexe, die sich sämtlich durch klare Schwarz-Weiß-Kontraste innerhalb der Konturierung auszeichnen. Anders und betont skizzenhafter, bis ins Karikierende hineinreichend, sind Barlachs 1924 erschienene Lithographien zu Goethe-Gedichten. Harzreise im Winter, der wild nach dem Besen greifende Zauberlehrling, Erlkönig, oder Die wandelnde Glocke, die in ihrer Blockhaftigkeit auf Skulpturales verweist, stellen über das Literarische hinaus die Stilmittel und deren Verschiedenartigkeit ins Zentrum der Betrachtung. Dieser Aspekt lässt sich im ersten Stock weiter verfolgen. Roland Hämmerle, Vorsitzender der Gesellschaft der Kunstfreunde, dankte Uta Weik für die Vorbereitung. Sie selbst ist mit Fotoarbeiten und Mischtechniken zur 'Waldeinsamkeit' von Heinrich Heine vertreten, die auf das ersehnte freie Leben mit Geistern und Tieren Bezug nimmt. 'Der Panther' aus Rilkes berühmtem Gedicht zeigt Elisabeth Hummler in schmalen Collagen und Mischtechniken in wechselnden Erscheinungsformen. Nicht die Geschichte steht im Vordergrund, sondern des Panthers facettenreiches Erleben vom Eingeschlossensein. Drastische Zeichnungen Diesem Ansatz ist auch Linda Jansen gefolgt - in noch abstrakterer Form. Ihre fotografierten Gesichter schauen fragend, offen und neugierig, aber auch kritisch und traurig. Betitelt mit 'Was weißt Du von mir, was weiß ich von Dir?', reflektieren sie Kafkas Infragestellungen menschlicher Existenzen. Über die figurativen Interpretationen der 'Stufen' und 'Wende' aus Hesses 'Glasperlenspiel' von Anne Messmer-Steinmann geht es zu Honest Schempp und seinen Tuschpinselzeichnungen zu Brechts 'Dreigroschenoper' und Hemingways 'Der alte Mann und das Meer'. Sie sind drastisch eindeutig. Schempp geht es um die Mittel der Darstellung, um ihre perspektivische Anwendbarkeit, über die er zum Illustrieren einer Geschichte gelangt. Die Ausstellung 'Illustrationen' im Stadtmuseum Lindau ist bis 1. November zu sehen. Geöffnet Dienstag bis Freitag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Samstag von 14 bis 17 Uhr.

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