Erinnerungen an das alte Italien

Fotos von Werner Stuhler in der Volksbank-Galerie zu sehen Lindenberg (uko). Beobachten muss man, und den richtigen Moment erkennen und einfangen, wenn man Fotos wie Werner Stuhler schaffen will. Der 1927 geborene Künstler gehört zu den Meistern seines Fachs Drei Dutzend Bildbände sind von ihm erschienen, seine Fotos sind in Tageszeitungen und Zeitschriften zu finden.. Die Ausstellung in der Volksbank-Galerie in Lindenberg zeigt Fotografien Stuhlers aus dem Italien der fünfziger und sechziger Jahre. Dazu Fotos, die einen Gegenstand vielleicht erahnen lassen, ihn aber nicht zeigen und so mehr die Fantasie des Betrachters anregen.

1950 kam ein Verlag mit der Idee, eine Reihe von Bildbänden zu machen, auf Werner Stuhler zu. Zuerst ging es in die Provence, dann nach Italien. Damals zahlte ein Verlag seinen Fotografen noch eine wochenlange Reise durch ein Land, erklärt Stuhler. Italien habe ihn gleich in seinen Bann gezogen, besonders das ländliche Leben mit seinen freundlichen, einfachen Menschen hatte es ihm angetan. So entstanden Schwarz-Weiß-Fotos, die einen den Zauber des 'alten' Italiens erleben lassen. Ein Italien, das es 'heute so nicht mehr gibt' (Stuhler). 'Im Zuge der Globalisierung wird heute alles immer gleicher', bedauert der Fotograf, der trotz seiner fast achtzig Jahre noch voller Begeisterung und Energie ist. Seine Bilder lassen an das Italien aus den Filmen Fellinis, an Sophia Loren und Marcello Mastroianni denken. Alte Männer beim Diskutieren, Händler auf dem Markt oder Frauen und Kinder beim Theater. Niemals habe er gestellte Fotos gemacht, sondern sich einfach irgendwo hingesetzt und 'gewartet'. Ein guter Freund habe eine Frau aus Kalabrien geheiratet, gemeinsam sind sie in Italien unterwegs gewesen. 'Mein Freund sprach fließend italienisch, so brauchte ich es nicht zu lernen,', schmunzelt Stuhler. Heute fotografiert er noch manchmal Prospekte für Reisebeilagen, 'sie wissen schon, so Strand und blauer Himmel.' Die Preise, die der in Lindau aufgewachsene und heute in Hergensweiler lebende Künstler, eingeheimst hat, sind vielfältig. Angefangen mit der Photokina-Plakette im Jahr 1954, erhielt er internationale Preise und stellte seine Fotos in Schweden, England, Frankreich und Berlin aus. Seit fünf Jahren fotografiert er Wasser, Blumen oder nur Lichtreflexe, die losgelöst vom realen Gegenstand die Fantasie des Betrachters fordern. Seine Objekte erschafft er selbst, 'denn es entsteht ein Eindruck von Wasser, ist aber kein reales Wasser.' Diese Fotos sprächen die jüngeren Besucher seiner Ausstellung an, das habe er selbst schon in der Volksbank-Galerie beobachtet. 'Die älteren fühlen sich eher zu den Italienfotos hingezogen.'Beide Fotoarten werden auch im Herbst bei einer Ausstellung in Konstanz zu bewundern sein. Und Martin Walser wird die Laudatio halten. 'Das zieht noch mal Publikum an,' lacht er glücklich. Die Ausstellung mit Fotografien von Werner Stuhler ist zu den Schalterstunden der Volksbank geöffnet.

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