Blaichach
Erfolgreiche Quartiersuche

Sorgsam umhüllt Hans Natterer die etwa einen halben Meter große Statue mit dem fein bestickten Tuch. Vorsichtig legt er die Figur Dagmar Porwoll in den Arm. Ihre Familie beteiligt sich in Blaichach an dem Brauch des «Marientragens». Vom 8. Dezember, dem Fest «Mariä Empfängnis», bis Heiligabend ist die Muttergottes reihum bei Blaichacher Familien «zu Gast».

Der Brauch, der seinen Ursprung im Alpenraum haben soll, ist heute nicht nur in Bayern verbreitet, sondern wird etwa auch im Rheinland gepflegt. Das «Marientragen» soll an die Herbergssuche von Maria und Josef erinnern, die seinerzeit in Bethlehem vergebens um eine passable Unterkunft nachgefragt hatten. Hans Natterer (72), Leiter des Missionskreises in der katholischen Kirchengemeinde, griff diese Idee vor rund 20 Jahren auf und führte die symbolische Quartiersuche auch in Blaichach ein.

Er lud interessierte Mitbürger ein und erläuterte den Brauch, der vielen bis dahin unbekannt war. Die Marienfigur, die vermutlich aus den Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt, stellte mitsamt dem Transporttuch Rudolf Lutz aus Blaichach zur Verfügung. Jeweils am 8. Dezember wird die kleine Statue in einem Gottesdienst geweiht, bevor sie von Familie zu Familie reist.

«Das gefällt mir sehr gut», sagt Dagmar Porwoll. Die 64-jährige Hausfrau freut sich jedes Jahr auf den «Besuch», ebenso wie ihre inzwischen erwachsenen Kinder. Sie kommen heute noch vorbei, wenn die Muttergottes im Elternhaus verweilt.

Dort in der Stube hat sie einen Ehrenplatz zwischen Blumen und Kerzen. Sie habe jedes Mal das (gute) Gefühl, dass jemand im Raum sei, sagt Porwoll nachdenklich. Mit den Kindern sitze sie dann abends zusammen, es werde gebetet und gesungen. Auch im Hause Natterer ist die Marienfigur, eingerahmt von Lilien und Weihnachtssternen, ein Anlass, sich mit Freunden und Nachbarn zu treffen, einen Abschnitt vom Rosenkranz zu beten oder Adventslieder zu singen. Etwa zehn Familien beteiligen sich an dem Brauch des «Marientragens», bis die Figur am 24. Dezember wieder ihrem Besitzer übergeben wird.

Teilnahme: Wer sich an dem Brauch des «Marientragens» beteiligen möchte, kann sich in Blaichach melden bei Hans Natterer unter 08321/83965, in Ettensberg bei Albert Goll (08321/1242) oder in Altmummen bei Irmgard Karg, 08323/1406.

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