Kempten
Erdbebenopfer darf zur Mutter nach Kempten

Lachen, weinen, klatschen, jubeln, wieder weinen, lauthals singen, nochmal weinen und dann alles von vorne. Der Sturzbach der Gefühle reißt Venita Zillner einfach mit sich. Freude und Erleichterung sind so groß, dass die 51-jährige Haitianerin aus Sankt Mang kaum sprechen kann: Ihre 27 Jahre alte Tochter Nancy, die beim Erdbeben in Haiti verletzt wurde, darf zu ihr nach Kempten kommen. Das bayerische Innenministerium macht am Dienstag überraschend doch noch den Weg frei für die Einreise der jungen Frau.

In Flüchtlingslager gefunden

Mittlerweile hat ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Port-au-Prince Nancy in einem von Nonnen betreuten Flüchtlingslager ausfindig gemacht und auf die Ausreise vorbereitet. In Kürze soll sich herausstellen, ob die junge Frau mit einem französischen Hilfstransport direkt von Port-au-Prince aus fliegen kann oder zunächst per Konvoi in die Dominikanische Republik gebracht wird. Für diesen Fall müssen Venita Zillner und ihre Schwester eine Nacht im Hotel organisieren, im anderen einen Anschlussflug von Paris nach Deutschland.

«Oh Gott, ich bin so glücklich» - Venita Zillner kann kaum fassen, wie sich auf einmal alles zum Guten wendet. Noch am Montagabend scheint die Situation verfahren, ringen die deutschen Behörden darum, wie mit dem Fall der passlosen Haitianerin Nancy umzugehen ist. Ein Problem ist auch die Frage, wie lange Nancy nach ihrer Einreise bleiben darf (wir berichteten). Dies soll nun erst später vom Kemptener Ausländeramt geklärt werden, so das Innenministerium. Mehr als drei Monate, so bestätigt ein Sprecher, werden es aber mindestens. Ansonsten wäre keine Zustimmung der Ausländerbehörde nötig gewesen. Dieser Fall, so betont das Ministerium, sei ein ganz besonderer. Weshalb die Genehmigung auch nicht als Grundsatzentscheidung für die insgesamt 57 weiteren Haitianer in Bayern zu werten sei.

Für Venita Zillner reißen unterdessen die guten Nachrichten nicht ab an diesem Tag: Wie sich herausstellt, sind die körperlichen Verletzungen ihrer Tochter nicht so schlimm wie zunächst befürchtet. Das verletzte Bein befindet sich im Gips, eine Amputation ist wohl nicht nötig. Wie berichtet, war die junge Frau nach dem Einsturz des Hauses erst nach längerer Zeit aus den Trümmern geborgen worden. Was den psychischen Zustand der jungen Frau nach den traumatischen Erlebnissen in Haiti angeht, ist derzeit noch nichts bekannt.

Arzt übernimmt Behandlung

Währenddessen überlegt das Aktionsbündnis Allgäu, ein Zusammenschluss verschiedener Hilfsorganisationen, wie man Nancy nach ihrer Einreise helfen kann. So will der Kemptener Mediziner Dr. Ulrich Blockus die Behandlung der Verletzten zu übernehmen. Außerdem sollen Spenden für die weiteren Kosten gesammelt werden.

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