Marktoberdorf
Er verleiht «Voice» ihr musikalisches Gesicht

Seine erste Trompete hat Willi Staud im zarten Alter von sechs Jahren bekommen. «Das war die von meinem Vater», erzählt der 50-Jährige, Gründungsmitglied der Marktoberdorfer Gruppe «Voice», die heute Abend die Modeongala musikalisch gestaltet. Das Interesse für die Musik wurde dem Vollblutmusiker Staud in die Wiege gelegt: Der Opa war Chordirigent und Geiger im Sudetenland, Vater Staud schon Trompeter in der Marktoberdorfer Stadtkapelle.

«Das ist das böhmische Blut», so Willi Staud lachend. Auch seinen ersten Auftritt vor Publikum - als Erstklässler - weiß der Marktoberdorfer noch: Der war 1966 beim Martinsumzug der Schule St. Martin. 1970, wenige Jahre danach hatte er mit seinem Schulfreund Max Kinker schon ein festes Engagement: Als «Riedla Buba» musizierten die beiden sonntags am damaligen Café an der Buchel. «Die Instrumente transportierten wir mit dem Leiterwagen», erinnert sich Staud. Das Aufspielen bei Faschingstänzen in der «Neuen Post» sowie Auftritte als Schulband des Gymnasiums folgten. Daraus ist «Voice» entstanden.

In Tanzlokalen, bei Schulbällen, Hochzeiten, städtischen Veranstaltungen und Vereinsfeiern entwickelten sich Staud und Co. zum Dauerbrenner. Irgendwann waren Tanzlokale out, aber «Voice» gab es und gibt es noch. Mit Hans Schmid, Rupert Schmauch und Staud gehören ihr drei Mitglieder der Originalbesetzung an. Sie machten ihr Leben lang gemeinsam Musik.

Musik doch zum Beruf gemacht

Ans Aufhören denkt Staud deshalb gar nicht: «Vielleicht hocken wir mal im betreuten Wohnen und spielen Satisfaction», sagt er und lacht schelmisch. Wie er betont, hätte er mit der Band auch Chance auf eine Profikarriere gehabt. Die vielen Reisen aber, die Werbetermine und der Druck, eigene, kommerzielle Hits zu landen: «Das hätte nicht gepasst.

» Staud ließ, nach Abitur und Wehrdienst beim Musikkorps Garmisch, sogar den Plan fallen, Musik zu studieren: Er bildete sich stattdessen in einer Verwaltungsschule in Augsburg weiter. Aber das nicht ohne Grund: Er sah die Chance, in die neugegründete Musikakademie Marktoberdorf einzusteigen. Damit machte er jedoch, wie die meisten seiner Bandkollegen, letztlich die Musik doch zum Beruf: 1984 bis 99 war er Geschäftsführer der Musikakademie, seit 2000 ist er für Jugend jazzt und das Landesjugendjazzorchester verantwortlich. Die Entscheidung, «Voice» nicht professionell zu betreiben, hat er aber nie bereut, wie er sagt: «Wir spielen, weil es uns Spaß macht.»

Dabei schließt der Jazzliebhaber keinen Musikstil aus: «Wenn die Qualität passt, ist es mir egal, ob ich Walzer, Hardrock- und Jazztitel oder Jodler spiele.» Bei seiner Band ist der Bassist und Trompeter auch für deren entsprechend vielseitiges Programm zuständig. Darin steckt eine Kunst für sich. Es kommt aufs Alter des Publikums an, auf die Art der Veranstaltung: «Bigband oder Salonorchester: Voice muss beides sein und noch mehr», so Staud.

Bei der Modeongala, die «Voice» heute bespielt, ist die Auswahl ihm zufolge nicht leicht: Dort gebe es zwar viele Tänzer, die das Standardprogramm hören wollen. Dennoch dürfe das Ganze nicht zu bieder daherkommen.

Zudem bedeutet Programm für «Voice» nie, nur ein paar Lieder zu spielen. Unterhaltung sei Pflicht. «Wir führen ja durch den Abend und moderieren uns nicht nur an.» Dazu ist es nötig, sich aufs Showprogramm einzustellen: «Wiener Walzer nach einer Sambashow geht zum Beispiel gar nicht.» Zu Stauds Vorbereitung auf die Gala gehörte auch, einen Blick in die Charts zu werfen und sich umzuschauen, welche Tänze die Tanzschulen gerade lehren: «Wenn keiner Fox tanzt, brauchen wir keinen bringen.» Derzeit seien etwa Tango sowie Discomusik überraschend in. Auch das letztjährige Jubiläum 50 Jahre Beatles könne nicht ignoriert werden. «Trotzdem ist unser Programm nie fest: Wir reagieren aufs Publikum», erklärt Staud. Letztlich verleiht er «Voice» das musikalische Gesicht. Nicht nur Böhmen dürfen gespannt sein, wie das heute Abend aussieht und klingt.

Die Modeongala findet heute, Samstag, ab 20 Uhr im Modeon statt.

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