Memmingen
«Enormer Eingriff in die Natur»

Die Fotovoltaik gilt als eine besonders umweltfreundliche Art der Energieerzeugung. Doch nun hat der II. Senat des Stadtrates zwei Vorhaben abgelehnt, die jeweils auf die Errichtung einer großflächigen Fotovoltaikanlage abzielten: das eine im Pfaffenwinkel an der Maffeistraße, das andere bei Zieglerberg in Steinheim. Dabei wurde nicht zuletzt auch der Naturschutz als Argument ins Feld geführt (siehe auch Infokasten).

Naturschutz kontra Umweltfreundlichkeit? Was auf den ersten Blick als widersprüchlich erscheint, begründete SPD-Stadtrat und Naturschutz-Experte Dr. Hans-Martin Steiger wie folgt: Großflächige Fotovoltaikanlagen seien ein «enormer Eingriff in die Natur», insbesondere auf bisherigen Brachflächen. Diese seien aus ökologischer Sicht «besonders wertvoll», betonte Biologielehrer Steiger. Er wies darauf hin, dass es auch in unserer Region immer mehr intensiv genutzte Maisfelder gebe. Diese seien als Standort für eine Fotovoltaikanlage wesentlich besser geeignet.

8000 und 9000 Quadratmeter groß

Aktuell hatte eine Firma für Windkraftanlagen bei der Stadt ein Baugesuch eingereicht, in dem sie beantragte, auf einem rund 9000 Quadratmeter großen Grundstück im Pfaffenwinkel an der Autobahnauffahrt Memmingen-Süd eine Fotovoltaikanlage errichten zu dürfen.

Im zweiten Fall wollte ein Privatmann mit einer Bauvoranfrage klären, ob er in der Nähe von Zieglerberg eine rund 8000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage realisieren könne. Beide Vorhaben lehnte der II. Senat (Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss) jedoch ab.

ÖDP-Stadtrat Michael Hartge meinte: «Künftig erreichen uns bestimmt noch mehr solcher Anträge.

Wir sollten daher überlegen: Wollen wir solche Anlagen und wo können wir künftig Flächen dafür ausweisen?» Hartge betonte hierbei, er halte es für sinnvoller, derartige Fotovoltaikanlagen auf Dächern in der Stadt zu installieren. Dafür sprach sich auch Hans-Martin Steiger aus. Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger versicherte, dass dieses Vorhaben weiter vorangetrieben werde.

Herbert Müller (SPD) sagte: «Eine Fotovoltaikanlage hat für mich grundsätzlich mehr Charme als etwa großflächiger Kiesabbau.» Die Stadt solle daher bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes darauf achten, geeignete Flächen auszuweisen.

Michael Hartge erklärte seinen Kollegen in diesem Zusammenhang: In zahlreichen anderen Gemeinden stellten Bauwerber, die eine großflächige Fotovoltaikanlage errichten wollten, keinen Bauantrag, sondern einen auf Änderung des Flächennutzungsplanes.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Ulrich Wagner, gab zu bedenken, dass man meist die Zersiedelung der Landschaft fördere, wenn man relativ kleine Anlagen zulasse. Anders verhalte es sich bei der genehmigten in Volkratshofen: Diese befinde sich in einer ehemaligen Kiesgrube und sei etwa viermal so groß wie die nun beantragten.

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