Energiesparen? Nicht um jeden Preis

Oberstdorf | mic | 'Energiesparen um jeden Preis? Meine Antwort lautet: Nein.' Es war eine klare Aussage, die Prof. Brian Cody beim Allgäuer Bauchfachkongress BaumitBayosan in Oberstdorf traf. Doch relativierte er zu Beginn der Podiumsdiskussion gleich: Es gehe in der Energiediskussion um Effizienz - das Verhältnis von Nutzen und Leistung.

Einen geschichtlichen Exkurs unternahm Werner Eicke-Hennig: Das erste Solarzeitalter habe sich dadurch ausgezeichnet, dass die Leute wenig Energie verbraucht hätten und der Komfort entsprechend niedrig war. Mit dem Kohlezeitalter wusste die Menschheit dann um das Thema Energie. 'Das Öl-Zeitalter schließlich hat uns mehr Energieverbrauch und mehr Komfort erlaubt', so der Experte. Aus der Weltölnachfrage und den versiegenden Quellen drohe nun, dass der erreichte Standard künftig nicht mehr haltbar ist. Für die Baubranche heißt das laut Eicke-Hennig: 'Wenn wir vom Öl unabhängig werden wollen, müssen wir den Verbrauch in den Gebäuden durch Wärmeschutz und Co. deutlich absenken.' Erst, wenn etwa im Wohnungsbau der Energieverbrauch bei höchstens 20 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liege, reiche Solarwärme allein aus.

Prof. Fisch relativierte das 'Energiesparen um jeden Preis': Komfort und Wohlfühlen dürften dabei nicht auf der Strecke bleiben. 'Ich will kein Haus mit zu kleinen Fenstern', betonte er exemplarisch. Häuser mit winzigen Schließlöchern zur besseren Wärmedämmung könnten keine Lösung sein. Er begrüßte etliche Innovationen im Glasbereich. 'Glasarchitektur ist nicht gleich Glasarchitektur', betonte auch Cody.

Verärgert zeigte sich Fisch, dass international verkannt werde, auf welch hohem Niveau die deutsche Baubranche energetisch bereits sei: 'Wenn in Amerika über Niedrigenergiehäuser gesprochen wird, redet hier keiner mehr darüber. Das ist bei uns seit 15 Jahren Standard.' Sein Wunsch an die Politik: ein international anerkannter Gebäudepass.

Gegen eine politische Verschärfung sprach sich Eicke-Hennig aus: 'Wir müssen Energiesparen als etwas Begehrenswertes darstellen - das heißt mit einer attraktiven Sprache werben', forderte er. Spreche die Politik von einer 'Verschärfung' klinge das wie eine Drohung, 'Verbesserung' höre sich besser an.

Abschließend forderte Prof. Cody vor allem, dass in Forschung und Ausbildung mehr Geld gesteckt werden müsse. 'Man findet in Deutschland keinen guten Ingenieur - das ist ein riesiges Problem.'

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