Kempten
Energiegeladen, still und lyrisch

In der vierten Veranstaltung des diesjährigen Kemptener Tanzherbstes stellte sich die Regionale Tanzszene mit einem sehr abwechslungsreichen, bunten, energiegeladenen Programm im Theater-Oben vor. Verschiedene Glaubensrichtungen tänzerisch umzusetzen - darum ging es in der ersten Choreographie von Melanie Nutsch und Kaija Klug, wobei so Gegensätzliches zu sehen war wie geschmeidige Bewegungen und andächtig ernste Mienen zu einem «Ave Maria» und kraftvolle Bewegungen und fröhlich lachende Gesichter zu harten afrikanischen Trommelrhythmen. Nadine Freisleben, Johanna Leiner und Daniela Rummel betanzten feinnervig das «Gefühl» zu einem Lied von Rainer von Vielen.

Ekliger Pullover

Die Profitänzerin und Choreographin Simone Grindel wurde zu ihrem Stück «in my room - room for two» von Sartres Roman «Der Ekel» inspiriert. Objekt dieses Ekels ist ein Pullover, der schlabberig wie ein Fremdkörper an ihr hängt, dem sie sich entledigt und der ihr am Ende als Abendkleid dient. In dieser getanzten Pantomime gab Grindel überaus witzig mit reduzierten Bewegungen dem Gefühl von Enge und ihre Befreiung Ausdruck.

Um das Leben verschiedener Kulturen, um das «between», geht es in dem sehr privaten Stück «disagreement» von Nadine Freisleben und Michael Chijioke Ejinkeonye, einem Profitänzer aus Nigeria.

Zu Fotos von lachenden Kindern, staubigen Straßen und afrikanischem Dorfalltag verkörperten sie mit viel Temperament und Leidenschaft ein Paar mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln.

Ein eher stiller Höhepunkt des Tanzabends war die Choreographie zum Gedicht «Sonnenklang» der Kemptener Autorin Marianne Horvath. Simone Grindel und Kaija Klug in Negligés sezierten sprachlich und körperlich gefühlvoll Verse des Gedichtes wie «Manchmal laufe ich durch deine Träume und knüpfe den Regenbogen an das Haar deiner Trauer».

Eine beeindruckende augenzwinkernde Hip Hop-Nummer lieferte der sehr junge Tänzer Salvatore Velisandro ab. Das Finale bildete ein schon traditioneller Improvisationsteil, diesmal zu den brasilianischen Trommelrhythmen der Samba-Percussion-Band «CaiPiranha». Etwa Zehn Minuten lang gaben alle Tänzerinnen und Tänzer nochmals ihre Freude am Leben und am Tanz ans Publikum weiter.

Der Tanzherbst endet am heutigen Samstag, 28. November (20 Uhr), im Stadttheater mit dem Auftritt des französischen Ensembles Hamalians und der Aufführung des Jugendtanzprojekts «Reality».

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