Oberstdorf
EM-Motto: Ein Tor mehr - wie im Fußball

Heute ist Techniktraining angesagt in der Oberstdorfer Eissporthalle. Mit dem Besen «sliden», die Abgabetechnik mit den Steinen üben und das Wegspielen gegnerischer Steine aus dem «house» verfeinern, stehen auf dem Programm. Die Vorbereitung für die die «European Junior Curling Challenge», der inoffiziellen Junioren-EM vom 3. bis 8. Januar in Prag für das Team des EC Oberstdorf muss sitzen, um den starken Mannschaften wie Frankreich, Holland oder Tschechien die Stirn bieten zu können.

Team-Coach Markus Angrick gibt Anweisungen, Bundesnachwuchstrainer Martin Beiser greift selbst zum Besen und demonstriert dem «Team Kämpf», nach Kapitän Konstantin Kämpf benannt, wie das ein ehemaliger zweifacher Junioren-Weltmeister noch kann. «Ausgereifte Technik und Strategie sind das A und O im Spiel», erklärt Coach Angrick. «Unsere Strategie? Ein Tor mehr - wie im Fußball», ruft Chefstratege Konstantin Kämpf vom Eis dazwischen. Er ist der «Skip» der Mannschaft, gibt vor, wo hingespielt werden soll und setzt die beiden letzten, und damit wichtigsten Steine eines Spiels («end») auf dem Eis.

Stärken und Schwächen ausloten

Strategie ist für Coach Angrick, das gegnerische Spiel zu lesen, die Stärken und Schwächen auszuloten und dann eine offensive (viele Steine im Spiel halten) oder defensive (wenig Steine im Spiel halten) Taktik anzuwenden. Für ihn sind auch der Spielstand, die Eisbeschaffenheit und die Spielphase wichtig. Daher wird Curling oft als «Schach auf dem Eis» bezeichnet und als «Präzisionssportart» gehandelt. Letztlich spielt Erfahrung genau so eine Rolle wie körperliche Fitness oder Konzentrationsvermögen. Anhand von Leistungstests und mit der sportmedizinischen Unterstützung des Olympiastützpunkts Bayern überprüft Martin Beiser in der Vorbereitung auf Breitensportturnieren, Meisterschaften und internationalen Vergleichen die Form seiner Schützlinge und ist mit dem «Team Kämpf» sehr zufrieden: «Die Jungs sind schon seit zwei Jahren deutscher Junioren-Vereinsmeister und auf dem besten Weg Punkte für Olympia zu sammeln.»

Dass sich im Team drei Oberstdorfer, ein Füssener und ein Hamburger Spieler zusammengetan haben, ist typisch für einen Mannschaftssport, in dem sich Spieler früh in Nachwuchstrainingscamps finden und so nicht nur Teamplayer, sondern auch Freunde und über lange Jahre Weggefährten werden. In dieser offenen Atmosphäre kann man sich schnell zu Hause fühlen, was genauso zum «Spirit of Curling» zählt wie das Fair Play in einem Spiel, das oft ohne Schiedsrichter auskommt und in dem Schadenfreude nicht erwünscht ist. «Gentleman agreement», nennt das der Bundesnachwuchstrainer und sagt, dass schlechte Manieren auf dem Eis unter Strafe gestellt werden können. Curling hat altschottische Wurzeln.

Zum Auftakt gab es gestern eine 1:5-Niederlage gegen Tschechien und einen 8:3-Sieg gegen Österreich.

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