Elmar Stegmann hat gut zugehört

Von Ingrid Grohe | Stiefenhofen Obwohl über 120 Frauen und Männer den 'Adler'-Saal in Harbatshofen füllen, ist die Atmosphäre familiär an diesem Abend. Von Politikverdrossenheit keine Spur in Stiefenhofen. Im Gegenteil. Engagiertes Interesse prägt die politische Kultur am östlichen Rand des Landkreises Lindau - und mit dieser Haltung begegnen die Besucher beim Bürgergespräch dem Landratskandidaten der CSU, Elmar Stegmann.

Um offen aufgenommen zu werden, braucht sich der Kandidat nicht bemüht volksnah zu geben. Auf alpenländisch-trachtige Kleidung verzichtet er, stattdessen begrüßt er in einem schlichten Anzug aus feinem, hellgrauen Zwirn seine Gäste, die auch aus den Nachbarorten gekommen sind. Der gemütliche Saal in Tonis Wolfs 'Adler' bietet den interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen vertrauten Rahmen für das Kennenlernen des Bewerbers. Dieser scheint hier mit seiner freundlichen Offenheit auf Seinesgleichen zu stoßen.

Seit Elmar Stegmann als Mann der CSU im Landkreis unterwegs ist, überrascht er durch seine bedächtige Art. Er wolle nicht mit fertigen Antworten kommen, sondern erst mal zuhören, ließ er in den ersten Wochen wissen. Inzwischen hat der amtierende Leutkircher Bürgermeister auch Antworten parat.

Stegmann muss sich sehr effektiv schlau gemacht haben in den Monaten seit seiner Nominierung. In Harbatshofen nennt er neben Einzelheiten aus der Kreispolitik viele Erkenntnisse, die er in Stiefenhofen gewonnen hat: erwähnt beispielsweise die Aussegnungshalle und den Friedhof ebenso wie das anstehende Jubiläum der Musikkapelle, spricht im Zusammenhang mit der Spielgruppe auch deren Leiterin Hildegard Rasch direkt an und lobt: 'Stiefenhofen ist ein tolles Beispiel dafür, wie man im ländlichen Raum Kinderbetreuung organisieren kann und dabei auf die Bedürfnisse der Menschen eingeht.'

Der Bewerber um das Amt des Landrats nimmt seine Wahl nicht vorweg. Mit Formulierungen wie 'Mir ist wichtig', 'Im Falle meiner Wahl würde ich ' oder 'Dafür würde ich mich gerne im Kreistag einsetzen' bleibt er angenehm zurückhaltend. Er argumentiert nicht kämpferisch, aber bestimmt. Und flicht wohldosiert die Fülle seiner beruflichen Erfahrungen (als Zentralamtsleiter am Landratsamt Neu-Ulm und als Oberbürgermeister in Leutkirch) in den dichten, fast 40-minütigen Vortrag ein. Stegmann nimmt weder irgendwelche Technik noch schriftliche Unterlagen zu Hilfe. Bis zum Schluss erhält er die volle Aufmerksamkeit seiner Gäste.

Im Gegenzug gibt er selbst wieder den guten Zuhörer, als einige relevante Fragen an ihn gerichtet werden. Bei seinen Antworten enthält sich der Kandidat der vollmundigen Versprechungen. 'Die gesetzlichen Rahmenbedingungen kann ich nicht ändern. Aber ich werde mich dafür einsetzen, dass das Ermessen im Sinne des Bürgers ausgelegt wird', sagt er etwa zu Problemen, die Vereine beim Organisieren von Festen mit Landratsamtsmitarbeitern hätten. Auch im freien Gespräch schöpft er aus seinen kommunalpolitischen Erfahrungen. Kaum ein Problem, mit dem der erst 36-Jährige Politiker nicht schon mal zu tun gehabt hätte.

Hausherr Anton Wolf spricht zum Abschied eine deutliche Wahlempfehlung für Stegmann aus. Und erinnert an eine Kandidatenvorstellung vor 36 Jahren im selben Saal: Der junge Klaus Henninger sei damals auch ein bisschen in seinem Anzug 'dinneg’hanget' und habe danach jahrzehntelang den Landkreis gut geführt. Dem jetzigen CSU-Bewerber wünsche er, 'dass er in einigen Jahren noch besser in seinen Anzug passt.'

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