Elektrisierender Salsa

Von Gabriele Schroth, Marktoberdorf - Mit Wim Wenders' Kultfilm 'Buena Vista Social Club' ist die kubanische Rhythmuswelle auch nach Deutschland geschwappt. Einen Hauch der um den Bodensee etablierten Salsa-Szene brachte Christian Maders 'Latin Jazz Ensemble' in die Filmburg und lockte ein ganz neues tanzfreudiges Publikum zur elektrisierenden 'Salsa-Nacht'. Einen 'latin tinge', eine Latino-Färbung, forderte schon der frühe Pianist und Komponist Jelly Roll Morton für den Jazz. Seither gab es viele Brückenschläge zwischen Jazz und lateinamerikanischer Volksmusik, und jetzt wagte auch der Allgäuer Christian Mader mit seinem neuen 'Latin Jazz Ensemble' den Sprung in das ansteckende kubanische Multibeat-Gefühl. Salsa-Tanzmusik, vor Exilkubanern nach New York getragen, fährt inzwischen auch den Allgäuern in die Beine. Wie afrikanisch die Wurzeln dieser afro-kubanischen Rhythmen tatsächlich sind, demonstrierte der griechische Percussionist Georgios Mikirozis aus St. Gallen. Gemeinsam mit Timmy Rühwald aus Isny am Schlagzeug und dem Münchener E-Bassisten Nicky Reichl ertrommelte er mit wirbelnden Händen auf seinem Tripelsatz hoher Congas jene pulsierende polyrhythmische Grundfolie.

Freilich verbindet Christian Mader dieses beschwingende Rhythmus-Gefühl mit seinen alten Jazzer-Tugenden. Seine Posaune blieb auch im neuen Sextett stets solistisch präsent. Über die Jahre entwickelte er seinen ganz individuellen, antivirtuosen Klangsinn mit beseelend weichen Kantilenen, die er auch in seiner eigenen Komposition 'Andando' hinausposaunte. Er kann seinen Ton auch growlig aufplustern, wie im 'Fuerte' von Poncho Sanchez, und fett aufbauschen, wie in dessen 'Baila mi gente'. Markenzeichen aber bleiben jene schwelgerisch-lyrische Tonfülle, die samtenen Glissandi zu Herbie Hancocks 'Watermelon Man'. Auch der Dozent aus Feldkirch, Jörg Maria Ortwein, sekundierte bei Whaine Gorbeas 'Sabor, Sabor' mit weichen Tenorsaxophonschlenkern und schürte das Feuer mit hitzigen Ausbrüchen. Vor allem aber schob sich die E-Gitarre des Mexikaners Louis Angolo ins Zentrum mit ihrer berauschenden, hell jubilierenden Tonspur. Sie ist keineswegs Salsa-authentisch und diente nur als Klavierersatz. Doch im musikalischen Crossover entpuppte gerade sie sich als interessantes Ensemble-Zugpferd. Zumal Louis Angolo auch als Sänger für unwiderstehlichen spanischen 'latin tinge' sorgte.

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