Buchloe
Einmal rund um den Globus

Bilanz zu ziehen, steht bei den meisten Menschen oft am Ende ihres Berufslebens. Nicht so bei Wolfgang Singer. Als er mit gerade einmal 26 Jahren merkte, dass er bei seinem damaligen Arbeitgeber «nicht mehr weiterkam», schlug er einen völlig neuen Weg ein. Einen Weg, der ihn und seine Arbeit in den folgenden Jahrzehnten prägen sollte: die Entwicklungsarbeit in Afrika, in Mittel- und Südamerika.

Bis heute lässt den mittlerweile 68-Jährigen sein Schaffen nicht los. «Ich will eine Beschäftigung und fühle mich nicht als Rentner», betont Singer. Grinsend erinnert er sich dabei an seine riesige Briefmarkensammlung, die im Karton unsortiert darauf wartet, in Alben eingeklebt zu werden. Man glaubt ihm, wenn er sagt: «Ich möchte nicht nur herumsitzen und meinen Erinnerungen nachhängen.» Und davon gäbe es viele.

Durch den Beruf seines Vaters bei der Bahn kam Wolfgang Singers Familie 1958 nach Buchloe. Er wurde Modellschlosser, lernte Formenbauer, Feinmechaniker und fand eine Anstellung als Techniker und Ingenieur. Mit 26 entschied er sich, zu kündigen und ins Ausland zu gehen. Es war der 17. Mai 1967. An jenem Tag packte er seine Koffer. In Honduras baute er eine Maschinen-Produktionsstätte zur Zuckerrohr- und Getreideverarbeitung auf.

Wolfgang Singers Talent sprach sich in dem mittelamerikanischen Land schnell herum. Bald schon arbeitet er als Betriebsleiter einer Kaffeefabrik. Die Firma wuchs und entwickelte sich zum größten Kaffee-Exporteur Honduras.

Kaffeefabrikant in Afrika

Anfang der 1970er Jahre heiratete er und wurde Vater eines Sohnes. Die instabilen politischen Verhältnisse brachten ihn wieder zurück nach Buchloe - doch nur vorübergehend. Neue Aufgaben warteten bereits in Afrika: In Zaire baute Singer eine Kaffeefirma auf. Für die EU wickelte er in Äthiopien ein großes Projekt ab. Die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit beauftragte ihn damit, in Togo die Wasser- und Energieversorgung für ein Forschungsprojekt zu planen und umzusetzen.

Nach weiteren Stationen in der Elfenbeinküste, Paraguay, Ruanda und Russland zog es Singer schließlich erneut nach Südamerika, wo er ab 1996 für die Hanns-Seidel-Stiftung an einem Schulungsprojekt für Waisenkinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien arbeitete. Sieben Jahre später ging der Buchloer in Rente - zumindest offiziell. Doch dies hielt ihn nicht davon ab, weiter in dem südamerikanischen Land aktiv zu sein. Also gründete er zwei Stiftungen.

«Ich wollte und will gerne etwas leisten, das man sieht, das Fortbestand hat und nicht wieder verschwindet», sagt Singer. Er hat seine Fußspuren an vielen Orten hinterlassen.

Den Bewohnern hat sich Singers Aufbauarbeit offenbar so stark eingeprägt, dass er heute nicht nur vielfacher Patenonkel in Südamerika ist; bei der Einweihung seines Wasserprojektes in Togo wurde ihm sogar der Umhang eines Häuptlings überreicht. «Mich hat jedes Land sehr beeindruckt», sagt er. Wohl wissend, «dass man nicht als Weltverbesserer» auftreten kann. Gelernt habe er auch, über vieles hinweg zu sehen - und: «Dass man sich auf niemanden außer auf sich selbst verlassen kann. Doch das gilt nicht nur im Ausland, das gilt auch hier in Buchloe.»

2007 war Singer nach vielen Jahren wieder einmal längere Zeit in seiner Heimatstadt, «die immer mein Hafen war». Und er hat sich prompt einer neuen Aufgabe gewidmet: der Modernisierung seines Hauses. Das wird ihn wohl noch die nächsten Monate beschäftigen. Doch für die Zeit danach plant er schon jetzt. «Wahrscheinlich werde ich wieder nach Bolivien gehen», sagt er. Schließlich will er sich weiter um seine Stiftungen kümmern.

Die Briefmarken zu Hause im Karton müssen wohl noch eine zeitlang warten, ehe sie ins Album eingeklebt werden.

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