Marktoberdorf
Einige Lehrstellen unbesetzt

Lucas Klinger (18) hat Glück. Er hat eine passende Lehrstelle gefunden und lernt seit September 2009 Oberflächenbeschichter bei der Marktoberdorfer Firma Hübner. Klinger gehört damit zu den insgesamt 378 Lehrlingen, die im Ostallgäu für das laufende Lehrjahr 2009/2010 einen Ausbildungsvertrag im Handwerk unterschrieben haben. Doch allein im Bereich der Arbeitsagentur Kempten (mit Kaufbeuren, Lindau, Ober- und Ostallgäu) blieben insgesamt rund 200 Lehrstellen unbesetzt.

Berufe mit «Image-Problem»

Hauptsächlich im Lebensmittelbereich, etwa bei Bäckern oder Metzgern, aber auch in der Tourismusbranche, gab es Probleme, Lehrstellen zu besetzen. Das liege vor allem am «Image-Problem» dieser Berufe, die oft mit unregelmäßigen Zeiten und schlechter Bezahlung gleichgesetzt würden, sagt Regionalgeschäftsführer Klaus Fischer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben.

Hinzu komme, dass generell immer weniger Jugendliche auf den Ausbildungsmarkt drängen. So sank die Zahl der Bewerber für das Lehrjahr 2009/2010 gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent. Verantwortlich hierfür ist laut IHK Schwaben einerseits der demografische Wandel. Andererseits streben immer mehr junge Leute höhere Bildung an und besuchen weiterbildende Schulen.

Wie wichtig eine gute Ausbildung ist, weiß auch Jürgen Reitebuch. Selbst seit 30 Jahren Ausbilder, beklagt der Kreishandwerksmeister aus Marktoberdorf: «Über die Zeit hat die Qualität der Lehrlinge kontinuierlich nachgelassen.» Neben schulischen Mängeln seien bei vielen Bewerbern Defizite im sozialen Bereich wie etwa beim Benehmen, bei der Zusammenarbeit oder Höflichkeit festzustellen, so IHK-Regionalgeschäftsführer Fischer.

Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass zugleich auch die Anforderungen an die Bewerber steigen: «Während früher vieles von Hand gezeichnet wurde, setzen etliche Betriebe bei ihren Lehrlingen heute komplexe Computerkenntnisse voraus», betont Reiner Kiefer, Betriebsleiter bei Hübner.

Doch im bundesweiten Vergleich gestalte sich die Situation auf dem Allgäuer Ausbildungsmarkt relativ entspannt, betont Anette Göllner von der Handwerkskammer Schwaben. Durch den in der Region außergewöhnlich engen Kontakt zwischen Betrieb und Schule könnten Schüler über frühzeitige Praktika erste Erfahrungen sammeln.

Auch sei die Zahl von Bewerbern mit Sprachproblemen eher gering und das Allgäu bislang relativ wenig vom Geburtenrückgang betroffen, erklärt Klaus Fischer von der IHK.

Eigeninitiative gefordert

Dennoch müssten künftig sowohl Unternehmen als auch Jugendliche mehr Engagement zeigen. «Wer einen guten Auszubildenden will, muss mehr investieren», fordert Fischer. Und Handwerksmeister Reitebuch betont: «Die jungen Leute müssen sich bewusst machen, wie wichtig eine gute Ausbildung für ihren späteren Berufseinstieg ist.»

Auch für Lucas Klinger war ein guter Abschluss Voraussetzung: «Mir war wichtig, meine mittlere Reife zu bestehen. Deswegen habe ich auch von der Real- auf die Wirtschaftsschule gewechselt. Ohne mittlere Reife tut man sich auf dem Ausbildungsmarkt schwer.»

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018