Einfach, erfolgreich und im Einklang mit der Natur

Kempten (mr). Am Donnerstag 700 Besucher in Dornbirn, am Freitag 600 im Kemptener Kornhaus plus die gut 250 Menschen, die ihn auch gerne gehört und gesehen hätten, für die aber kein Platz mehr war: Was ist es, das auch viele junge Menschen überall in Scharen anlockt, wenn 'Agrar-Rebell' Sepp Holzer aus dem Salzburger Lungau auftritt? Kaum war der untersetzte, 62jährige Mann mit Bart auf der Kornhausbühne, lichtete sich das Geheimnis: Witzig, originell mundartlich und mit überzeugender Leidenschaft kämpft Holzer für seine Permakultur, einem landwirtschaftlichen Ökosystem, das die Arbeit minimiere und den Ertrag maximiere. 'Und zwar nicht in Konfrontation, sondern in absoluter Kooperation mit der Natur!' wie Holzer betont. Damit könne man gutes Geld verdienen: 'Ich zahle mehr Steuern als die 22 Höfe in der Umgebung zusammen!'

Mit einer Kastanie fing's einst an Als Fünfjähriger hatte er eine Kastanie in den Erdboden gedrückt und das Bäumchen 'wuchs schneller als Mutters Salatköpfe'. Dieses Erlebnis ermunterte ihn, von der Mutter einen steinigen Acker abzuringen, um dort alles Mögliche einzupflanzen. Durch jahrelanges 'genaues Beobachten und Hinhorchen' kam Holzer zu grundsätzlichen Erkenntnissen: Alles in der Natur hat Sinn, Schädlinge gibt es in seinem Wortschatz nicht. Selbst Gesteinsbrocken können ein Segen sein, weil sie als Wärmeofen selbst in 1300 Meter Höhe Weintrauben und Wärme liebende Fische gedeihen lassen. Durch Erfahrung brachte der 'Alpen-Rebell' heraus, welche Pflanzengemeinschaften sich gegenseitig düngen oder vor zu viel Feuchte oder Trockenheit schützen. Tausende von Jungbäumen verkaufte der Bauer nur mit großem Ballen, damit die Abnehmer gleich die passenden Pflanzengemeinschaften mitgeliefert bekommen. 'Wer auf die Vielfalt der Natur setzt, braucht keinen Kunstdünger mehr!' ist das Credo von Sepp Holzer. Man müsse wieder lernen, sich in jeden Menschen, in jedes Lebewesen und auch in jede Pflanze hineinzudenken. Diese Vorgehensweise verbessere nicht nur das Miteinander in der Welt, sondern steigere den Ertrag von gesunden Produkten. Allerdings ist Holzer weit davon entfernt, den Stab über die konventionell arbeitenden Betriebe zu brechen: 'Diese Bauern wurden falsch geschult und zur Erlangung von Zuschüssen zu einem bestimmten Verhalten gedrängt'. Anfangs noch als 'Spinner' abgetan, habe ihm mittlerweile 'sogar der Herr Fischler von der EU' bei einem Besuch auf dem Bergbauernhof großen Respekt entgegengebracht. Denn gut gedeihende Kirschen auf 1500 Meter Höhe habe auch der noch nie gesehen. Dabei sei das Rezept einfach und arbeitssparend: 'Mit dem Bagger nach asiatischem Vorbild Terrassen anlegen, die raschen Wasserabfluss und Nährstoffauswaschung verhindern. Dann die Jungbäume mit dem Samen bestimmter Pflanzengemeinschaften einsetzen - und in Ruhe lassen. Dass die Kirschen erst im September reif sind, kommt Holzer nur entgegen: 'Da sind die Preise am höchsten!' Mittlerweile sind Holzers Methoden Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Erfolgreiche Projekte nach seinem Vorbild laufen weltweit, von Kolumbien bis Thailand.

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