Einer für alle und alle für einen

Von Stephan Schöttl, Kaufbeuren - Unschlagbar sind sie: Arthos, Porthos, Aramis und der junge d'Artagnan. Die langhaarigen, spitzbärtigen Musketiere fechten, umwerben leidenschaftlich die Frauen, betrinken sich in aller Freundschaft und kämpfen nach dem Motto 'Einer für alle und alle für einen'. So unzüchtig wird es während des Tänzelfest-Wochenmarktes am Obstmarkt nicht zugehen, aber dennoch versuchen die Fechter des TV Kaufbeuren das Lagerleben der Musketiere so echt wie möglich nachzustellen. Es ist so etwas wie eine Deutschland-Premiere, denn nie zuvor hat ein Fechtverein im Bundesgebiet ein Musketier-Spektakel mit jungen Nachwuchsfechtern nachgestellt. 'Das ist ein Problem, denn wir mussten uns alle Ideen selbst erarbeiten', erzählt Susanne Schiller, die Organisatorin der Fechtabteilung. Schiller selbst ließ sich sogar auf einem Turnier in Würzburg von einem Sportler Nachhilfe in der Theatralik, die zu einer historischen Fechtvorführung gehört, erteilen. 'Zwischen dem modernen Sportfechten und Schaukämpfen gibt es große Unterschiede', so Schiller. So fechten die jungen Kaufbeurer Nachwuchssportler während der Tänzelfest-Vorführungen ohne Schutzausrüstung und in historischen Gewändern. Diese waren auch der Auslöser für die Idee mit dem Fechtlager. Schon seit mehreren Jahren seien die Kostüme der Katholischen Liga zwar in der Kleiderkammer vorhanden, aber für keine Gruppe vorgesehen gewesen. Bereits vor zwei Jahren sei der Tänzelfestverein an die Fechter herangetreten, doch zunächst wurden die Pläne wieder über den Haufen geworfen. Bis zur diesjährigen Auflage des Festes. Auf einer Bühne am Obstmarkt vor dem Kloster führen die Fechtfüchse des TVK ihre Künste den Besuchern vor. 'Der Grundgedanke eines Schaukampfes ist eigentlich, sich nicht zu treffen', erklärt Schiller. Gewinner gibt es keine im historischen Musketierkampf, dennoch sollen die Vorführungen publikumswirksam sein. Und genau hier liege das Problem. Denn die jugendlichen Fechter müssten dazu erst einmal eine bestimmte Choreographie einstudieren. Da derzeit aber viele Turniere anstehen und die Trainingszeiten begrenzt sind, haben die Sportler nur wenig Zeit Abwehrhaltungen, Paraden und Angriffe einzustudieren.

Heulager und Brezenstechen 'Die Rahmenbedingungen sind optimal', lobt Schiller die Unterstützung durch den Tänzelfestverein. Das Zelt wurde bereits aufgebaut, ein Heulager parat gestellt und eine Feuerstelle eingerichtet. 'Jetzt liegt es an uns, das Lager mit Leben zu füllen', sagt die TVK-Fechtleiterin. Beim Brezenstechen haben die Besucher zudem die Möglichkeit, ihre Stoßgenauigkeit mit der Florettwaffe zu testen. Für die historische Atmosphäre im Lager sorgen die Fechter in ihren Gewändern. Die sind bereits angepasst und den 15 Teilnehmern zugeteilt. 'Manche sehen richtig süß aus, mit den großen Kragen', schwärmt Schiller. Die Lebensweise der Musketiere für den größeren 'Realitätseffekt' haben die Fechter nicht einstudiert. 'Die haben eh nur den ganzen Tag mit ihren Waffen geübt. Eben lustige und trinkfreudige Gesellen', sagt Schiller und lacht. Bei den kleinen Musketieren am Obstmarkt komme allerdings nur Apfelschorle in die alten Steinkrüge, versichert sie.

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