Kaufbeuren
Einer arbeitet und vier schauen zu

- Äußerlich wirkte Ken Latta völlig gelassen. Innerlich hingegen brodelte es beim ESVK-Trainer. «Die zweite und dritte Reihe waren ein Totalausfall», fand Latta deutliche Worte nach der 1:7-Klatsche beim EHC München. «Ich muss mich jetzt ganz ernsthaft mit der sportlichen Leitung zusammensetzen und besprechen, wie es weitergehen soll», so der Kanadier, der sich jedoch zu personellen Konsequenzen nicht näher äußern wollte.

Offensichtlich ist, dass Lattas Geduld bald aufgebracht sein dürfte. Auch der Kredit bei den Fans, den sich das Team durch den sensationellen Saisonstart erkämpft hat, scheint verspielt. In München übte sich die Joker-Anhängerschaft in Galgenhumor und feierte mehr sich als das Team. «München war die klar bessere Mannschaft, aber wir haben es ihnen auch zu einfach gemacht, Tore zu schießen», so Kapitän Emil Ekblad. Bei den ersten drei Toren konnte jeweils ein Münchner vollkommen ungestört mit der Scheibe vor das ESVK-Gehäuse fahren und einschießen. «Beim ersten Tor war er ein bisschen früh unten, aber sonst kann ich Florian Hechenrieder keinen Vorwurf machen», so Latta über seinen Torhüter, der mit einer ganzen Reihe an Glanztaten eine zweistellige Pleite verhinderte.

Nur die erste Reihe überzeugt

Neben Hechenrieder war es wieder mal nur die erste Reihe, die sowohl spielerisch als auch kämpferisch dagegen hielt. «Für uns ist es nicht möglich, mit fünf oder sechs Spielern zu gewinnen», sagte Latta. Das Problem sei, das unterstrich der Oberjoker noch einmal, nicht die Qualität der Spieler, sondern deren Einstellung: «Das ist reine Kopfsache. Als wir gewannen, haben alle drei Reihen gut gespielt. Seit Wochen ist es aber so, dass in der zweiten und dritten Reihe einer arbeitet und vier schauen zu.» Dabei hatten die Joker sogar die Chance, München zu ärgern. Daniel Oppolzer glich den frühen Rückstand postwendend aus und hatte nur Sekunden später die Führung auf dem Schläger.

Doch der Youngster scheiterte an EHC-Schlussmann Jochen Vollmer. Warum der ESVK dann schon im ersten Drittel in seine Einzelteile zerlegt wurde, lag nicht nur an der Klasse des Gastgebers. Eine hohe Fehlerquote und taktische Naivität der Kaufbeurer trugen ihren Teil dazu bei. Latta war darüber fassungslos: «Jordan Webb ist verletzt und hat nur mit 60 Prozent gespielt. Es kann nicht sein, dass er auch dann noch mein bester Spieler auf dem Eis ist.»

«Der ESVK ist ein unbequemer und gefährlicher Gegner», so EHC-Co-Trainer Peppi Heiß. «Daher wollten wir von Anfang an vor dieser Kulisse zeigen, wer Herr im Haus ist.» Mit vier Toren in den ersten 20 Minuten gelang das eindrucksvoll. Spätestens nach dem Doppelschlag zu Beginn des Schlussdrittels, wirkten die Joker völlig demoralisiert. «Wenn man auf dem Eis steht, will man noch das zweite Tor schießen.

Aber wenn man auf der Bank sitzt und auf die Anzeigetafel schaut, will man nur noch nach Hause», gesteht Ekblad. Latta nutzte die Ungunst der Stunde und schickte am Ende auch seine Nachwuchskräfte aufs Eis.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019