Eine lustvolle Versuchung

Von Rosemarie Schwesinger Immenstadt Es muss wohl was dransein an den oft beschworenen Tücken des verflixten siebten Ehejahres! Das Feuer der einstigen Leidenschaft ist verglüht, kein Herzklopfen mehr beim Anblick des Partners statt dessen alltägliche Rituale und ein allzu bequemes Zurücklehnen in eine zur Gewohnheit gewordenen Beziehung. Genau so ergings den beiden Ehepaaren Steroll und Banbury in Noel Cowards Komödie Gefallene Engel, die jetzt unter der Regie von Phil Young in einer Produktion im Bayerischen Hof, München spritzig wie ein Glas Champagner über die Immenstädter Hofgartenbühne perlte. Julia (Steroll) und Jane (Banbury) sind zwei enge Freundinnen, die nicht nur keinerlei Geheimnisse voreinander haben, sondern auch einen gemeinsamen (äußerst lustvollen) dunklen Punkt in der Vergangenheit. Der heißt Maurice und hat sich just in dem Augenblick wieder angekündigt, als das eingeschworene Damen-Duo vom Frust des siebten Ehejahres angenagt wurde. Nun sind Julia und Jane zwar durchaus brave (und überaus attraktive) Ehefrauen, aber voller geheimer Sehnsüchte und Phantasien und drum vor erotischen Versuchungen nicht gefeit. Michaela May (die trotz heftiger Erkältung mit gewohntem komödiantischem Esprit agierte) und die bezaubernde Katharina Müller-Elmau wirbelten den (stark alkoholgeschwängerten) Kampf zwischen Pflicht und Kür, sprich Ehrbarkeit und Lust, in einem wahren Trommelfeuer aus Witz, Temperament und Charme über die Bühne, dass die (da noch nicht gehörnten) Ehemänner bestens getroffen durch Wilm Roil und Ranz Wacker echt alt aussahen.

Wenn Engel fallen sollen, dann hat wohl der Teufel die Finger im Spiel. Und der ließ gerade an dem Wochenende, als der legendäre Maurice (treffsicher verführerisch verkörpert durch Frank Brunet) sein Wiedererscheinen signalisierte, die beiden Ehemänner zum Golfspielen abtauchen. Flucht oder erneute Hingabe an den ehemaligen Lover das ist die Frage, die Julia und Jane heftig bewegt. Bevor sie sich zu Letzterem entschließen, wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt und so manche Flasche geköpft in aberwitzigen, turbulent überspitzten Szenen, die den Zuschauern die Lachtränen in die Augen trieben. Woran auch Heide Ackermann in der Rolle einer intellektuell-musisch angehauchten Bediensteten gehörigen Anteil hatte. Kommt Maurice oder kommt er nicht? Das fragten sich nicht nur die Zuschauer bis zur Pause, sondern auch die inzwischen heftig angeschickerten und restlos aufgelösten Engel! Als er schön und siegesgewiss und makellos auf der Bildfläche erschien und mit ihm die zerstrittenen Ehemänner, da war das sorgfältige Styling (dickes Lob an die Kostümbildnerin Roswitha Egger) dahin. Jetzt halfen nur noch List und erotische Entschlossenheit!Lebhafter Applaus zum Schluss für diese spritzig dargebotene Komödie und ihre überzeugenden Interpreten (allen voran das hinreissende Damen-Trio), die ihre Zuschauer mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf den Nachhauseweg schickten.

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