Buchloe
Eine Lesung anderer Art im Rathaussaal

Die Kulisse im festlichen Rathaussaal, die musikalisch schöne Untermalung durch den Erwachsenen-Gitarrenspielkreis der Musikschule und die lebendige Rezitation des evangelischen Dekans Kurt Kräß aus Memmingen bescherten nur wenigen Zuhörern einen wunderschönen voradventlichen Abend. Die Lyrikreihe «Buchloe liest» sei ihr ein Herzensanliegen, meinte die Leiterin der Volkshochschule Buchloe, Sabine Kil. Daher werden die Veranstaltungen auch weitergeführt.

Kräß rezitierte sämtliche Gedichte auswendig mit lebhaftem Körpereinsatz, was zu einem nahen Kontakt zwischen dem Künstler und seinem Publikum führte. Die Zuhörer wurden regelrecht in den Bann gezogen, Kräß selbst berichtete später, für seine Konzentration wäre ein abgedunkelter Zuschauerraum manchmal besser gewesen.

Der erste Teil mit zwei klassischen Menuetten der Musiker befasste sich mit dem Thema «Zeit». Elisabeth Borchers, Josef Guggenmos, Theodor Fontane und Prediger Salomo wurden zitiert: «Wer hat mich um meinen Tag gebracht? Die Zeit.» und «Schweigen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit. Liebe hat ihre Zeit. Ein jegliches hat seine Zeit.

» Bei Salomo wurden die ersten religiösen Bezüge deutlich, die im Laufe des Abends in wohltuender Weise noch mehrmals in Erscheinung traten.

Rainer Maria Rilke war im zweiten Teil der Vorträge zum Thema «Zeit - Bild(lich dargestellt)» gleich mehrmals vertreten mit «Ich lebe mein Leben» und «Das Karussell». Beim «römischen Brunnen» von Conrad Ferdinand Meyer war erst beim genauen Hinhören die Allegorie zur Zeit erkennbar. Hier wurde der Gitarrenspielkreis unter Joachim Herb rhythmisch mit einer Rumba.

Nun ging es um die Erfahrungen mit der Zeit, um Kindheit und ganz aktuell um Steuersenkungen. Hans-Dieter Hüsch, ein begnadeter Kabarettist, wurde eingangs von Kräß rezitiert: «Wir alle bleiben Gottes Kinder, auch wenn wir schon erwachsen sind.

» Mehrere Dichter haben sich vor vielen Jahrzehnten Gedanken zur Hektik gemacht. Musikalisch untermalt wurde dieser Teil unter anderem mit dem schönen «Scarborough fair», das gesprochene Wort war der Psalm 90: «Herr, du bist unsre Zuflucht».

Abschließend ging es um die Zeit im Hinblick auf die Ewigkeit. Hier wurde Hüsch erneut zitiert mit den Worten: «Gott nahm in seine Hände meine Zeit.» Religiös geprägte Verse von Jochen Klepper bildeten den Abschluss der verbalen Beiträge und ein weiteres Menuett aus Don Giovanni von Mozart den musikalischen Schlusspunkt dieses wunderbar nachklingenden, nachdenklich-besinnlichen Abends. Kräß ließ sich nicht lange zu einer Zugabe «zu Weihnachten» von Matthias Claudius bitten. Uta Mantwill

Die nächste Veranstaltung von «Buchloe liest» ist am Freitag, 11. Dezember, von 19 bis 20.30 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Das Thema lautet «Nicht aufmachen - Weihnachten steht vor der Tür» mit Oliver Jung.

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