Eine Gemeindedienerin mit Leib und Seele

Von Stefanie Dodel Lachen-Albishofen - Anni Bürk lacht, schlägt die zierlichen Finger zusammen und fährt sich mit der Hand über den Mund. 'Mei, da will i jetzt gar nix sagen. Jeder hatte halt so seine Vor- und Nachteile', sagt sie. 'Viel Einfühlungsvermögen' sei halt nötig gewesen, um über die Jahre nacheinander mit vier Bürgermeistern zusammenarbeiten zu können, erzählt die kleine Frau mit dem weißen Dutt dann nur. Beim Sprechen vertiefen sich immer wieder die Lachfalten um ihre Augen. Anni Bürk erzählt lebhaft und doch ruhig und überlegt. Viel Aufheben will sie um ihre Person nicht machen. Die 84-Jährige hat 50 Jahre lang als Verwaltungsangestellte bei der Gemeinde Lachen gearbeitet. Bei der jüngsten Bürgerversammlung der Gemeinde hat Bürgermeister Herbert Rabus sie jetzt für ihre Verdienste geehrt. Bis Juni vergangenen Jahres hat die heute 84-Jährige für die Gemeinde gearbeitet. Angefangen hatte alles 1953, als der damalige Bürgermeister Tobias Schwarz sie als Schreibkraft zu sich geholt hat. Für alles 'Schriftliche, für Verwaltungssachen, Sozialwesen und das Standesamt' sei sie über die Jahre zuständig gewesen. Die Post hätten sie während dieser Zeit fast nicht gebraucht, erzählt sie. In ihrer Stimme schwingt dabei ein wenig Stolz mit, ihre Augen leuchten. Schnell winkt sie aber wieder ab. Dann erzählt sie, wie sie und ihre jeweiligen Kolleginnen sämtliche Briefe und Bescheide persönlich ausgetragen haben - mit dem Fahrrad in die damals noch acht Gemeindeteile.

Einfach sei es nicht immer gewesen, beispielsweise Steuern persönlich einzufordern. 'Verschwiegenheit', sagt sie, 'war für diese Arbeit eine wichtige Voraussetzung.' Es sei für sie mitunter das Schönste gewesen, zu merken, dass die Leute Vertrauen zu ihr hatten. Gerade wenn Witwen gekommen seien, die verzweifelt waren und sich keinen Rat mehr wussten, weil wichtige Belege fehlten, um die Rente zu beantragen, habe sie versucht zu helfen. 'Meine Arbeit war so persönlich und hat mir so gut gefallen. Mein Leben hat dadurch einen Sinn bekommen', sagt Anni Bürk lächelnd. 'In 50 Jahren ist so viel passiert, was soll ich da denn erzählen', sagt sie und zuckt mit den Schultern. Von einem Hund sei sie halt bei einer ihrer Fahrten gebissen worden, die Gemeindeblätter habe man in Handarbeit mit dem so genannten Umdrucker erstellt und weil es in der alten Gemeindekanzlei im Feuerwehrhaus anfangs keine Toiletten gab, seien sie zur Nachbarschaft gegangen. Gut erinnert sich die 84-Jährige unter anderem auch an den Straßenbau-Frondienst. Durch derartige Arbeiten ('Wir hatten damals schon ein Straßennetz von 30 Kilometern') konnten de Lachener Bauern einen Teil der Grundsteuer ableisten. Anni Bürk musste die Leute dazu einladen und manchmal nach getaner Arbeit Frondienstmarken verteilen. In einer kleinen Schachtel mit der Aufschrift 'Bitte nicht wegwerfen' hat sie diese bis heute aufbewahrt, fein säuberlich in Papier gewickelt. In Stapeln zu fünf, sechs, 15 oder 30 Mark. Noch im letzten Jahr hat die 84-Jährige fast alle Lohnsteuerkarten selbst ausgetragen. 'Ich bin Gemeindediener geblieben', sagt sie. Der Abschied von der Arbeit sei ihr schwer gefallen. 'Ich hab' gern gearbeitet, war so dankbar, dass ich das machen durfte. Mit meinen Kollegen war's auch immer so nett.'

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