Eindringliche Bilder, reges Gespräch

Marktoberdorf(gsc). - Eindringliche Bilder erlebte das Publikum in der ausverkauften 'Filmburg' in Marktoberdorf bei Eric Tills 'Luther'-Verfilmung über die religiösen und sozialen Zustände und Machtstrukturen der Lutherzeit. So nutzten viele das Gesprächsangebot des evangelisch-lutherischen Pfarramtes, 'Was hätte uns Luther heute zu sagen', um nach dem Film zusammen zu bleiben und zu diskutieren. Das Publikum musste freilich erst umschalten von den glanzvollen Rollenporträts eines Uwe Ochsenknecht als bauwütigem Medici-Papst Leo X, der einem Raffael-Gemälde entsprungen schien, eines Mathieu Carriere als irritiertem päpstlichem Legaten Cajetan oder der grandiosen Studie Kurfürst Friedrichs des Weisen von Sir Peter Ustinov. Vieles an diesem riesigen Zeitgemälde blieb angreifbar, wie das geschönte Verhalten Luthers gegenüber den aufständischen Bauern. Auch das Antiquarium der Münchener Residenz als prächtiges Renaissance-Ambiente wurde erst 50 Jahre später gebaut. Gleichwohl rückten die Filmbilder die Nähe zu den Bauernkriegen wie der freien Reichsstadt Augsburg ins Bewusstsein, mit Luthers Disput mit Cajetan, 1530 dem Reichstag und 1555 dem 'Augsburger Religionsfrieden'.

Nachdenkliche Diskussion Es entspann sich eine nachdenkliche, rege Diskussion zu der Frage von Gesprächleiter Herbert Müller aus Memmingen, 'Hat sich etwas geändert seit Luther?'. Auf den Einwurf, heute sei es nicht mehr lebensgefährlich, seine Meinung zu sagen, verwies Müller auf die Bauernaufstände von 1524, die in Anlehnung an Luthers Thesen bereits die Respektierung von Freiheit und Menschenwürde forderten, wie sie heute in Artikel 1 des Grundgesetzes verankert sind. Das Publikum war sich einig, dass Luther Missstände abschaffen, die Kirche reformieren wollte - nicht spalten. Dabei betonte Herbert Müller noch einmal die sozialrevolutionäre und sprachschöpferische Leistung Luthers, die lateinische Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Damit eröffnete er dem Volk den Zugang zum Evangelium, zu Wissen und Bildung und letztlich zur Mündigkeit eines Christenmenschen. Hoffnungsvoll äußerte sich Müller, der schon die evangelische Kirche Deutschlands im Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf vertrat, zur Überwindung der Kirchenspaltung. Dabei entwarf er die ökumenische Parabel vom Kreis der christlichen Kirchen um Christus in ihrer Mitte: indem alle auf dasselbe Ziel zurückten, wüchsen sie auch zusammen. Eine junge Mutter vertrat die Idee ganz praktisch: sie erziehe ihre drei Kinder nicht mehr konfessionell, sondern christlich. Zur Sprache kam auch, ob Andersgläubigen - Juden oder Muslimen - Religionsfreiheit wirklich zugestanden wird. Hier verwies 'Filmburg'-Chefin Monika Schubert das Publikum abschließend auf das Pfingst-Festival 'Musica Sacra' in Marktoberdorf, das Musikfestival der großen Weltreligionen.

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