Kempten
Ein Zehntel des Gehalts lautet oft die Empfehlung

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Er war mit den hierarchischen Strukturen der Kirche nicht mehr einverstanden, sagt ein 50-jähriger Kemptener. Obwohl er sich nach wie vor als Christ sieht, ist er deshalb aus der Kirche ausgetreten. Die Kirchensteuer habe dabei nur eine zweitrangige Rolle gespielt. So wie er sehen das offensichtlich viele Bürger: Eine so große Zahl von Austritten gab es seit 15 Jahren nicht mehr: 364 Kemptener haben die Kirche im vergangenen Jahr verlassen. 257 von ihnen waren römisch-katholisch und 106 evangelisch. Nur ein Mitglied einer anderen Glaubensgemeinschaft ist ausgestiegen.

Das spiegelt den Trend der vergangenen Jahre wider: Während die Mitgliedszahlen bei den beiden großen Kirchen schwinden (siehe Grafik), wachsen viele kleinere Glaubensgemeinschaften. Eine Ausnahme ist das Jahr 2005. Als Benedikt XVI. Papst wurde, traten nur 198 Gläubige aus. Die Allgäuer Zeitung hat nachgefragt, wie sich die verschiedenen Gemeinschaften in Kempten entwickelt haben und wie sie sich finanzieren.

«Es geht bei uns voran», sagt Pfarrer Michael Edenhofer von der Alt-Katholischen Gemeinde. «Im vergangenen Jahr», erläutert der reformkatholische Pfarrer, «gab es elf Beitritte und nur einen Austritt». Im Schnitt kämen jedes Jahr neun Gläubige hinzu. Finanziert wird die Gemeinde durch die Kirchensteuer.

Pastor Stefan Vatter berichtet, dass sich die Mitgliedszahl der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde in den letzten 16 Jahren verdoppelt habe. Die Freie Evangelische Gemeinde wächst laut Pastor Heinz Eschenbacher leicht. «In den Jahren 2003 und 2004 gab es aber einen Knick in der Mitgliederzahl», erläutert er. Grund dafür seien Probleme mit einem Pastor gewesen.

«Ein leichtes, kontinuierliches Wachstum innerhalb der letzten zehn Jahre», verzeichnet die Evangelische Gemeinschaft laut Pastor Georg Braß. Bei der Christlichen Gemeinde gibt es keine reguläre Mitgliedschaft. Die Zahl derer, die die Gottesdienste besuchen, steigt laut Ältestem Roland Antholzer aber stetig. Zur Entwicklung der Adventgemeinde sagt Pastor William Giesbrecht: «In den letzten Jahren sind viele weggezogen, sonst würde die Gemeinde wachsen.

» Diese evangelischen Freikirchen finanzieren sich durch Spenden. Der biblische Zehnte, also zehn Prozent des Gehalts, gilt dabei als Empfehlung. Wie deutlich diese ausgesprochen wird, variiert.

Die Mitgliederzahl der Neuapostolischen Kirche ist laut Bezirksvorsteher Harald Hiltensberger trotz des Geburtenrückgangs fast konstant geblieben. Auch diese Gemeinde finanziert sich durch Spenden, bei denen der Zehnte ein Orientierungsmaß bietet. Bei den Zeugen Jehovas ist die Zahl der Mitglieder laut Winfried Schneider leicht steigend. Die Religionsgemeinschaft finanziert sich ebenfalls durch Spenden. Der Zehnte spielt dabei nach Schneiders Worten keine Rolle.

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