Ein wunderbarer Querschnitt

Buchloe Wenn man in Buchloe derzeit nach dem anstehenden Theaterstück der Kolping-Bühne fragt, dürfte man nicht nur von Insidern die richtige Antwort erhalten: 'Keine Ahnung'. So heißt das neue Stück von Regisseur Manfred Dempf, das am 16. Februar im Kolpinghaus uraufgeführt wird.

Es geht (auch) um Politiker, die keine Ahnung vom wirklichen Leben und den Auswirkungen ihrer Gesetze haben. Aber auch andere 'ahnungslose' Figuren treten auf: der Bankfilialleiter, der zu wissen glaubt, welchen Service seine Kunden wünschen. Oder Marion Laber-Schwall, Reporterin des Lokalradios, die permanent ihre Ahnungslosigkeit unter Beweis stellt, nicht nur in Sachen Rechtschreibung ('ist fürs Radio, liest doch sowieso keiner').

Erzählt wird von einem Banküberfall mit (außerplanmäßiger) Geiselnahme durch den Hartz-IV-Empfänger Axel S. - ein frustrierter junger Mann, Anfang 20, dem man nach Schulabschluss, mehreren hundert Bewerbungen und zahlreichen Weiterbildungen noch nie einen Arbeitsplatz angeboten hat. Deshalb will er 10 000 Euro und ab nach Taiwan, wo man ihn als Computer-Spezialisten noch gebrauchen könne. Aufgrund technischer Probleme mit der Tür kann er die Bank nicht verlassen und er nimmt die Anwesenden als Geisel.

Wohlhabende Frührentnerin

Dempf lässt einen wunderbaren Querschnitt durch die Bevölkerung aufmarschieren: eine freundliche Bankangestellte, eine wohlhabende Frührentnerin, eine alleinerziehende Mutter samt Baby, einen selbständigen Handwerksmeister und die bereits erwähnte Radio-Reporterin, die immer wieder live über einen 'Tag im Leben des Finanzministers' Dr. Eugen Hohlmann berichtet. Dieser freut sich über seine Alltagserfahrungen ('Fünf Minuten als normaler Mensch sind auch mal ganz schön.'), lässt aber - auch als bedrohte Geisel - keine Gelegenheit aus, sich in klassische Rednerposition zu werfen und seine leidlich bekannten Floskeln abzusondern, selbst in seiner Lebensbeichte, die bei Axel S. natürlich ganz anders gestrickt ist und zu einer der Höhepunkte des ganzen Stücks wird.

In Alltagssituationen wie dem Gebrauch eines Handys oder einer EC-Karte versagt der Minister völlig. Er glaubt, dass man sich von Hartz IV noch einiges ansparen kann und muss sich von Axel S. natürlich entsprechend 'den Kopf waschen' lassen. Nicht vergessen werden soll der Kripo-Beamte Willi Bruß, der sein bestes tut, den Fall zu einem normalen Ende zu bringen. Wer den Autor näher kennt, kann sich allerdings denken, dass es in diesem Stück keinen 08/15-Schluss geben wird.

Joachim Buch

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