Ein wichtiges Stück Zukunftsvorsorge

Buchloe (sei). - 300000 Kubikmeter Methangas fallen jährlich bei der Klärung des Buchloer Abwassers an. Ein Großteil davon wurde bisher 'abgefackelt' - nutzlos verbrannt. Seit vergangenem Mittwoch betreibt die Stadt damit ein Blockheizkraftwerk, das jährlich 30000 Euro Überschuss einbringen soll. Dass sich die Investition in Höhe von 160000 Euro gelohnt hat, davon war Bürgermeister Josef Schweinberger überzeugt, als er den Motor der Anlage startete und die Messinstrumente nach kurzer Zeit bereits eine Leistungsabgabe von 65 Kilowatt Strom anzeigten. 'Ein wichtiges Stück Zukunftsvorsorge und innovative Energiegewinnung' nannte Schweinberger die Anlage. Seit Betriebsbeginn der Kläranlage habe man das anfallende Faulgas zu Heizzwecken verwendet. Allerdings, räumte Schweinberger ein, sei ein Großteil auch nutzlos verbrannt worden.

Wirtschaftlichkeit bestätigt Im Jahr 1998 habe der Stadtrat dann beschlossen, für das überschüssige Faulgas ein Blockheizkraftwerk (BHKW) zu planen. Wegen fallender Strompreise und mangelnder Wirtschaftlichkeit hatte man das Projekt jedoch zurückgestellt. Aufgrund der nunmehr gegebenen Möglichkeit einer Refinanzierung von umweltfreundlichen Technologien hatte sich die Verwaltung des Themas BHKW erneut angenommen - und der Stadtrat beschloss im Februar dieses Jahres die Errichtung des BHKW in eigener Betriebsführung. Die Wirtschaftlichkeit sei vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband bestätigt worden und die Investitionskosten seien dem Bereich der 'rentierlichen Schulden' zuzuordnen. 'Schon nach sechs bis sieben Jahren sind wir in der Gewinnzone', glaubt Schweinberger. Die technischen Details erläuterte Stadtbaumeister Herbert Wagner. Kernstück ist ein Sechszylinder-Viertakt-Motor ohne Turboaufladung mit angekoppeltem Generator, der eine maximale elektrische Leistung von 84 k W liefert. Als 'Abfallprodukt Wärme' entstehen im Betrieb 145 k W. Bei Volllast verbraucht die Maschine etwa 50 Kubikmeter Faulgas pro Stunde, die jährliche Laufleistung beträgt damit rund 6000 Stunden. Einen großen Vorteil sah Wagner darin, dass die Anlage auch als Notstromaggregat fungiere. Bei Stromausfall könne zumindest die 'Grundversorgung', die mechanische Klärung der Abwässer aufrechterhalten bleiben. Laut Wagner müssen jährlich 30000 Euro für Wartung und Abschreibung aufgewendet werden. Dem stehe eine 'Stromersparnis' durch den Wert des selbst erzeugten Stroms in Höhe von 60000 Euro gegenüber, was einen Überschuss von jährlich 30000 Euro bedeute, 'wenn alles so läuft, wie es prognostiziert ist'. Anschließend bestand für die Gäste - darunter Bürgermeister Franz Hauck aus Jengen, Vertreter der Lechwerke (LEW) und Buchloer Stadträte - die Möglichkeit, sich von den Aufbaufirmen und den Mitarbeitern der Kläranlage um Klärmeister Franz Knittel im Detail informieren zu lassen. Natürlich stieß man auch mit einem Gläschen auf das gelungene Werk an und ließ sich unmittelbar am Beckenrand der Klärbehälter die Brötchen schmecken. Erstaunlicherweise rümpfte dabei niemand die Nase. 'Wenn's riecht, stimmt was nicht', so die fachkundige Aussage der Mitarbeiter. Im Übrigen sei das Abwasser in diesem Bereich schon so sauber, dass man es durchaus trinken könne. Ausprobieren wollte dies aber niemand.

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