Weiler
Ein wichtiger Baustein für die Fußball-WM

Noch genau 167 Tage sind es bis zum Beginn der Fußball-WM in Südafrika. Die Gruppen sind längst ausgelost, der offizielle Ball ist vorgestellt - und die Stadien am Kap der guten Hoffnung sind gebaut. Tatkräftig daran beteiligt war Michael Rinklin (26) aus Weiler. Der Projektingenieur hat im Auftrag der Firma Pfeifer Seil- und Hebetechnik GmbH (Memmingen) zusammen mit einem mehrköpfigen Team die Montage der Dachkonstruktion im WM-Stadion von Durban überwacht und gesteuert. Mehrere Wochen lang war Rinklin in Südafrika auf der Baustelle. «Es gehört zu den schönsten Fußballstadien der Welt», sagt er.

Ein WM-Stadion baut man nicht alle Tage. Sind Sie als ehemaliger Fußballer besonders stolz darauf, an diesem Projekt mitgewirkt zu haben? Oder war das für Sie eher ein Job wie jeder andere?

Michael Rinklin: Wenn man sich das WM-Stadion in Durban so anschaut, dann ist es mit seinem über 100 Meter hohen Bogen und dem filigranen Übergang zwischen Stahlbau, Seiltragwerk und Membrane ein sehr imposantes Bauwerk. Es gehört meiner Meinung nach, zu den schönsten und - die Montage betreffend - technisch anspruchsvollsten Stadien der Welt. Deshalb bin ich auf jeden Fall stolz, bei solch einem besonderen Stadion mitgewirkt zu haben. Das ist doch ganz klar! Diesen Stolz wird jeder Planer, Ingenieur und Arbeiter empfinden, der beim Stadionbau beteiligt war.

Damit solch komplexe Bauten errichtet werden können, bedarf es einem Team sehr erfahrener Ingenieure und Monteure, die mit ihren kreativen und teils auch «verrückten» Ideen erfolgreich zusammenarbeiten. Als junger Ingenieur ist das ein Riesenvorteil, mit solchen Leuten bei Pfeifer Seil- und Hebetechnik tagtäglich zusammen arbeiten zu dürfen.

Haben Sie auch die Medienberichte über den Stadionbau verfolgt?

Rinklin: Jeder Bericht, der in der Zeitung oder im Fernsehen veröffentlicht wird, stößt bei mir auf höchstes Interesse und wird bis aufs Kleinste verschlungen. Ich bin sehr gespannt, wie gut das Stadion von den Fußballern, Trainern und Fans angenommen wird.

Haben Sie das Stadion schon fix und fertig mit Rasen und Toren gesehen? Oder nur als reine Baustelle?

Rinklin: Als ich die Baustelle verlassen habe, waren alle Seile am Bogen angeschlossen und die temporären Türme wurden wieder demontiert. Da ich das Projekt noch eine Zeit lang von Memmingen aus weiter mitbetreut habe, war ich auch nach meiner Rückkehr über die aktuellen Abläufe informiert. Die per E-Mail regelmäßig eingegangenen Baustellenbilder meiner Kollegen sowie die Live-Bilder der installierten Webcam haben mich immer sehr gefreut. Somit konnte ich mir stets ein gutes Bild machen. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit «live» über den Rasen zu laufen. Wenn mich aber die Südafrikaner zu einem Testspiel einladen wollen, wäre ich bereit, meine alten verstaubten Kickschuhe wieder aus dem Keller zu holen.

Sie haben insgesamt neun Monate auf einem anderen Kontinent verbracht. Welche persönliche Beziehung haben Sie in dieser Zeit zu Südafrika aufgebaut?

Rinklin: Südafrika ist eine komplett andere Welt. Die Armut ist in diesem Land enorm und die Menschen haben völlig andere Prioritäten. Dennoch sind die Südafrikaner sehr freundlich und freuen sich wahnsinnig auf die bevorstehende WM. Südafrika ist auf jeden Fall einen Sommerurlaub wert und das nicht zuletzt wegen des großen Artenreichtums. Wo trifft man schon einen Affen mit grauem Fell, der in die eigene Wohnung einbricht, Kekse mampfend auf der Mikrowelle erwischt wird, und auf der Flucht noch eine Banane klaut?

Was Land und Leute angeht: Haben Sie einen besonderen Tipp für alle Fußballfans, die im Sommer nach Südafrika fliegen?

Rinklin: Was das Essen betrifft, sollte man auf keinen Fall auf ein «Filet medium» vom Rind mit «Mini Potatoes» verzichten. Der wichtigste Satz für Durban-Gänger ist «Yebo me bru?». Dies ist eine Mischung aus Zulu, der Sprache der Ureinwohner, und Englisch. Es bedeutet soviel wie «Wie gehts dir, Bruder?». Dieser Satz führt immer zu einem Grinsen. Wichtig sind auch noch: Auf keinen Fall mit den Polizisten anlegen - und lange Hosen zur WM mitnehmen, denn es ist Winter in Südafrika.

In Durban findet das erste Spiel der deutschen Elf gegen Australien statt. Freuen Sie sich nach dem Stadionbau nun ganz besonders auf diese Partie?

Rinklin: Ich werde mir das Spiel anschauen, das ist doch klar. Und es wird nicht das einzige Match sein, das ich am Fernseher mitverfolgen werde. Durch meinen Job in Südafrika werfe ich natürlich schon ein spezielles Augenmerk auf die Spiele in Durban.

Fliegen Sie denn selbst zur WM? Haben Sie vielleicht sogar Karten?

Rinklin: Ich hab es mir ernsthaft überlegt, zum Halbfinale nach Durban zu fliegen, aber leider kann ich die WM nicht mit einem Urlaub verbinden und so sind mir die dadurch entstehenden Kosten für ein «WM-Wochenende» in Südafrika ein wenig zu hoch.

Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Mannschaft ein?

Rinklin: Deutschland ist eine Turniermannschaft und deshalb immer schwer einzuschätzen. Ich hoffe, dass sie auf auf jeden Fall im Halbfinale mitspielen wird.

Wer sind Ihre Favoriten auf den WM-Titel?

Rinklin: Spanien oder Brasilien. Für Südafrika wünsche ich mir, dass die Mannschaft als Gastgeber die Vorrunde übersteht.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019