Ein Täfele für Professor Ernst Mayr aus Kempten

Von Ralf Lienert, Kempten/Bedford Er gilt in der Fachwelt als der bedeutendste lebende Evolutionsbiologe und feiert am 5. Juli seinen 100. Geburtstag. Professor Dr. Ernst Mayr aus Kempten, Inhaber von rund 20 Doktortiteln und zahlreichen internationalen Auszeichnungen. Jetzt will seine Geburtsstadt an den berühmten Sohn mit einem so genannten 'Täfele' an seinem Geburtshaus an der Ecke Kotterner-/Scheibenstraße erinnern. Einen Brief an den Wissenschaftler, der über 600 wissenschaftliche Artikel und zahlreiche Bücher veröffentlichte, schrieb dieser Tage OB Dr. Ulrich Netzer. Er gratulierte dem eremitierten Professor der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) zum runden Geburtstag und lud ihn nach Kempten ein. Netzer legte dem Schreiben eine großformatige Collage mit aktuellen und historischen Fotos als Erinnerung an die Allgäu-Metropole bei. Mit dem Heimatverein Kempten soll eine Tafel am C&A-Gebäude angebracht werden. Ernst Mayr stammt aus einer alten Allgäuer Familie. Der Großvater des Wissenschaftlers kommt aus einem Wildpoldsrieder Bauerngeschlecht, das wohl ab 1584 einen Hof in Oberegg bewirtschaftete. Er war zuerst in Oberstdorf und später in Lindau als Arzt tätig. Der Jubilar selbst wurde am 5. Juli 1904 in der Kotterner Straße 78 geboren. Sein Vater Dr. Otto Mayr war Landgerichtsrat und zog am 17.

April 1900 von Eichstätt nach Kempten. Hier kamen alle drei Kinder der Familie zur Welt: Otto, Ernst Walter und Hans Hellmuth. Für Ernst Mayr, der den zweiten Vornamen Walter trägt, sind seine Erinnerungen an Kempten 'typisch die von kleinen Kindern: Ostereiersuchen im Garten und Spaziergänge mit den Geschwistern und Eltern zur Burghalde und Boleite'. Dr. Otto Mayr war in Kempten Vorsitzender des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins und mit August Weixler vor allem im Rettungswesen tätig. 'Die Herren Förderreuther, Euringer, Landgerichtsrat Helm und Dr. Madlener waren andere Freunde der Familie', schrieb Mayr bereits vor Jahren an die Allgäuer Zeitung. Die Familie blieb nur bis zum 6. Juni 1908 in Kempten. Dr. Otto Mayr wurde damals Erster Staatsanwalt in Würzburg und später Oberlandesgerichtsrat in München. Sein Sohn Ernst wechselte nach Sachsen und entwickelte seine Passion für Vögel. 1923 begann er an der Universität Greifswald sein Medizinstudium, wechselte aber nach dem Physikum ans Zoologische Museum in Berlin. Mayr promovierte 1926 und nahm 1928 und 1930 an zwei Expeditionen des Vogelsammlers Lord Rothschild nach Neuguinea und auf die Solomon-Inseln teil. 1931 folgte er dem Ruf ans American Museum in New York, dem größten naturwissenschaftlichen Museum der Welt. 1953 wechselte er an das 'Museum for Comparative Zoology' an der Harvard University, wo er heute noch tätig ist. 1974 verlieh im Präsident Richard Nixon die Wissenschaftsmedaille für Deutsch-Amerikaner. Im Juli 2001 fuhr der Wildpoldsrieder Bürgermeister Arno Zengerle nach Berlin, wo Mayr die Ehrenurkunde der Humboldt-Universität zum Kronjuwelenjubiläumseiner Dissertation erhielt. Jetzt soll sich auch der Stadtrat mit dem Hauptvertreter der modernen neodarwinistischen 'synthetischen' Evolutionstheorie befassen. Stadtrat Michael Hofer (ÖDP) beantragte eine Ehrung, etwa die Umbenennung der Städtischen Realschule oder die Ehrenbürgerwürde für den berühmten Kemptener.

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