Ein Stück Bayern ist weggegeben worden

Marktoberdorf/Ostallgäu (jth). - Auch heuer hatte die Bayernpartei (BP) zu ihrem traditionellen politischen Aschermittwoch in das Oberdorfer Wirtshaus 'Burger' geladen. Auch heuer griffen die Redner Entscheidungen der rot-grünen Regierung scharf an. Besonders Bundesverkehrsminister Stolpe und seine Haltung bei der Maut-Einführung sowie die EU-Osterweiterung standen in der Kritik. Weißblaue Tischtücher, Bayern-Fahne, Märsche der Blasmusik Baisweil. In diesem Ambiente versuchte sich Hubert Dorn, ehemaliger Landesvorsitzender der BP, lautstark Gehör für seine Thesen zu verschaffen. Laut musste er auch deshalb sein, weil die Mikrofonanlage nach der Rede des Ortsvorsitzenden Dr. Hermann Seiderer den Geist aufgegeben hatte. Im Mittelpunkt seiner Kritik: Entscheidungen in Berlin und München. Vor allem Kanzler Schröders Ansinnen, die Türkei langfristig in die EU aufzunehmen, konnte Dorn nicht verstehen. Seiner Meinung nach müsste das vereinigte Europa erst einmal definiert werden. 'Wenn nur die gemeinsamen Werte zählen, können wir ja Bolivien auch aufnehmen', so Dorn. Doch nicht nur der Regierung in Berlin zeigte er die rote Karte, auch gegen die Entscheidungen der bayerischen Regierung wetterte er. Im Zentrum seiner Rede, die als 'deftige politische Kost' angekündigt war, stand der bayerische Ministerpräsident. 'Strauß war ein blendender Redner, Stoiber ist ein redender Blender', resümierte Dorn. Vor allem der 'Ausverkauf der bayerischen Substanz' lag Dorn schwer im Magen. Nach der Abschaffung des Bayerischen Verfassungsgerichts und des Senats sei 'ein Stück Bayern weggegeben worden'. Von der Haltungen der Christsozialen im Bundestag zeigte sich Dorn enttäuscht. 'Ich wünsche mir von der CSU eine echte Vertretung der bayerischen Interessen', sagte der im Trachtenanzug auftretende Dorn. Die Anwesenden forderte er auf, bei der Europa-Wahl der Bayernpartei (Motto: 'Freiheit für Bayern') ein Kreuz zu geben. 'Ein Anstieg der Ergebnisse der Bayernpartei um zwei bis drei Prozent würde ein Signal nach Brüssel senden', prognostizierte der ehemalige Landesvorsitzende. Neben dem Oberbayern Dorn kamen auch zwei Ostallgäuer Vertreter der Partei zu Wort. Der Ex-Landesvorsitzende Dr. Hermann Seiderer und der schwäbische Bezirksvorsitzende Peter Fendt. Letzterem stieß unter anderem die fehlgeschlagene Maut-Einführung sauer auf. Die Verantwortlichen hätten mit 'hanebüchener Stümperhaftigkeit' gehandelt. Fendts Anliegen als wirtschaftspolitischer Sprecher der BP war es zudem, seine Vision einer 'menschenfreundlichen Wirtschaftspolitik' vorzustellen. Grundgedanke seiner Ausführungen: Der Oberdorfer schlug vor 'bewährte Instrumente der Wirtschaftspolitik Ludwig Erhards' zu reaktivieren: Die Preisbindung für Billigprodukte und die 'Wiedereinführung von Schutzzöllen'. Diese beiden Maßnahmen sind nach Fendts Worten unter anderem dafür geeignet, die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

'Narren regieren weiter' Globalisierung und Liberalisierung der Wirtschaft seien dagegen ein 'Schritt in die falsche Richtung'. Ortsvorsitzender Seiderer bat die Anwesenden, sich in die Unterstützungsliste der Partei für die Zulassung zur Europa-Wahl einzutragen. Auch er wandte sich gegen die EU-Osterweiterung und kritisierte das Verhalten von Toll-Collect und Verkehrsminister Stolpe. Seiderers Fazit: 'Die närrische Zeit ist vorbei, die Narren regieren aber weiter.'

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