Immenstadt
Ein Säufer, aber auch ein Lebenskünstler

Mit der Shakespeare-Komödie «Die lustigen Weiber von Windsor» gastiert das «Theater des Ostens» am Donnerstag, 3. Dezember, bereits zum zweiten Mal in Immenstadt. Den Mitgliedern der Kulturgemeinschaft Oberallgäu ist das 1990 gegründete Tourneetheater noch in guter Erinnerung mit Umberto Ecos «Der Name der Rose». Die Hauptrolle in dem weltbekannten Shakespeare-Stück spielt Dieter Wien (75). Für ihn war es eine Herausforderung, die schillernde Figur des Sir John Falstaff zu verkörpern, wie er in einem Gespräch mit Veronika Krull verriet.

Die Komödie «Die lustigen Weiber von Windsor» gilt als das perfekteste Lustspiel Shakespeares. Warum?

Dieter Wien: Nun, ich würde sagen, eines der wunderbarsten Lustspiele von Shakespeare. Es ist wie in einer guten Komödie: Tragik und Komik treffen aufeinander, die Leute werden zum Lachen gebracht und zum Nachdenken. Für einen Schauspieler ist es ein Fest, so etwas zu spielen.

Können denn Menschen von heute noch über Späße aus dem 16. Jahrhundert lachen?

Wien: Ich glaube, ja. So wie wir heute lieben, geliebt werden, verlassen und enttäuscht werden, irren und nach Liebe suchen - da hat sich nichts geändert. Und ich glaube, solange sich die Erde dreht, wird es so bleiben. Shakespeare ist ungeheuer aktuell!

Sie spielen den Falstaff, der ja eigentlich eher als negative Figur angelegt ist. In den Ankündigungen Ihres Theaters wird er aber als Inbegriff von Lebenslust und Lebenskunst gepriesen.

Wien: Eine schwierige Frage. Ich habe das Stück auch so gelesen, dass der Bursche ein Säufer ist, aber auch ein Lebenskünstler. Der von sich sagt, er habe auf dem Feld gekämpft, aber noch tapferer an der Weinfront gesiegt. Er fühlt sich sehr enttäuscht und verraten von seinem Prinzen Heinz, seinem Freund, der alle seine alten Freunde zehn Meilen entfernt von seinem Hof verbannt hat. Jetzt versucht Falstaff zu überleben, über Weiber ans Geld der Männer zu kommen. Da mischt sich eine Menge krimineller Energie mit ungeheuer sympathischen Zügen: Wie witzig er ist, wie er sich das zusammenreimt.

Es ist schon erstaunlich, wie er trotz seiner ungeheuer dicken Wampe und seines Alters bei den Weibern ankommt Und er ist inmitten von Kleinbürgern - kleinbürgerlicher geht es nicht, wie Shakespeare die Familien beschreibt. Die Bürger reibt er auf mit seinen Mitteln, bringt dort Leben rein. Das ist für die Zuschauer ganz lustig, wie er das macht. Er ist eine sehr zwielichtige Figur und gleichzeitig eine arme Sau. Aber auch wenn er am Schluss der Genasführte ist, kann er doch sagen, er habe so viel Geld bekommen, dass sein weiteres Überleben gesichert ist.

War es schwer für Sie, in diese Rolle zu schlüpfen? Oder entspricht sie sogar Ihrem Naturell?

Wien: So was habe ich noch nie gespielt, einen Zwei-Zentner-Mann. Aber es gibt so einen Satz, dass ein Schauspieler in der Lage sein muss, 50 Pfund zuzuspielen und 50 Pfund wegzuspielen. Er glaubt einfach, er sei dick. Was meinen Sie, wie viele dicke Menschen ich mir angeschaut habe, Kollegen vom Bildschirm, wie die sich bewegen, mit ihrem Körper umgehen. Auf jeden Fall war und ist es eine große Aufgabe, in diesen Kerl hineinzuschlüpfen. Und ein Vergnügen. Das ist das Allerwichtigste: Wenn es uns oben auf der Bühne keinen Spaß machen würde, wäre es schade, würde es nicht funktionieren: Dann hätten auch die Leute unten im Saal keinen Spaß.

Karten: Die Komödie «Die lustigen Weiber von Windsor» wird am Donnerstag, 3. Dezember, um 20 Uhr im Hofgarten in Immenstadt aufgeführt. Karten gibt es im Vorverkauf im Gästeamt Immenstadt, Telefon 08323/914-176, oder ab 19 Uhr an der Abendkasse.

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