Schwangau
Ein «Ritual der Vorfreude»

«Gestern Mittag um eins sind wir angekommen», sagten die Augsburgerinnen Ingrid Bareth und Gisela Effenberger. Das war der 31. Januar. Und wie das im Kreis der Eingeweihten seit Jahren üblich ist, eröffneten sie die «interne» Liste für den Kartenvorverkauf für die Schlosskonzerte. «Da gibt es kein Gedränge und es wird sehr darauf geachtet, dass sich jeder persönlich einträgt.» Gleich darauf reisten zwei Ehepaare aus München, aus Freiburg im Breisgau an und Christof Anderes kam aus Winterthur. Den Tannhäuser im Sängersaal zu erleben, das eint die Wagner-Fans, die sich seit über 20 Jahren wegen der Karten, die es am 1. Februar gab, auf eine Nacht im Kurhaus-Untergeschoß einstellen.

«Richard Wagners Musik auf Neuschwanstein, das ist ein unvergesslicher Traum», sagt nicht nur der Schweizer, der sich Jahr für Jahr auf den Weg macht. «Man kann dann schon mal spazieren gehen, aber im Prinzip bleiben wir hier», erzählen die Augsburger Damen. «Wir kennen uns alle, haben unsere Brotzeit dabei, unterhalten uns.» Auch ein Gläschen Sekt war um Mitternacht drin. Sie empfinden es wie alle passionierten Schlosskonzertgänger als Ritual der Vorfreude auf die einmalige Atmosphäre, in der man sich im September wieder trifft.

Um Sieben schon bei Hundert

So gegen vier, fünf Uhr früh erscheinen die «Nachzügler», denen es nicht auf ein bestimmtes Konzert ankommt, die auch mal für Freunde im hohen Norden Karten besorgen wollen. Gegen sechs Uhr wird es offiziell. Hilde Schöler gibt in dem fürs Gunglhos dekorierten Kassenhäuschen die Nummern aus. Dabei gibt es dank der persönlichen Vorarbeit der Wartenden kein Problem. Um sieben Uhr ist sie schon bald bei Nummer einhundert angelangt, es wird ruhiger.

Bald darauf nehmen Tourismusdirektorin Petra Köpf und Walter Bieber von der Tourist-Info das König-Max-Zimmer in Beschlag, packen die Kartenstöße aus und können die meisten Wünsche punktgenau erfüllen.

Dabei hat Petra Köpf beobachtet, dass in den letzten Jahren nicht nur der Ansturm auf die Konzerte immer größer wurde, auch die Mitglieder der Konzertgesellschaft nehmen die ihnen zustehenden Karten voll in Anspruch. Auf einer Liste konnten sich die Wartenden vorab über verfügbare Plätze informieren, so waren bei den Kammerkonzerten alle Kategorien vorhanden, auch für den letzten Wagner-Abend am Sonntag, 26. September.

Als besonders attraktiv erwiesen sich in diesem Jahr auch die «italienischen» Konzerte der Nürnberger Philharmonie mit Mozarts Violinkonzert, Arien aus «Le Nozze di Figaro» und der «Zauberflöte», wobei traditionell der Samstag am beliebtesten ist.

«25 Jahre lang war ich auf Wagner-Karten fixiert», sagt die 90-jährige Wiltrud Miller, die es inzwischen von Weißensee nicht so weit hat, «heuer geh ich zu Mozart.»

System hat sich bewährt

Die Konzertgesellschaft habe ja eine lange Warteliste, meinten einige beim Packen der Decken des nächtlichen Aufenthalts. Deshalb stellten sie sich lieber beim freien Vorverkauf an. «Jetzt haben wir unsere Karten. Das System hat sich bewährt». Dass am Nachmittag noch telefonisch vorbestellt werden kann, für echte Fans ist das zweitrangig. Die beiden Augsburger Damen gingen in aller Ruhe und voller Vorfreude genüsslich frühstücken, bevor sie die Heimfahrt antraten.

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