Lindenberg
«Ein paar junge Kandidaten täten schon noch gut»

Haben die jungen Leute unter 30 mit Kirche nichts mehr am Hut? Es scheint so. «Diese Klientel fehlt uns insgesamt», bedauert Josef Kraft. Im Gespräch mit der Heimatzeitung beschreibt der 50-jährige Berufsschullehrer und Stadtrat die Arbeit im Lindenberger Pfarrgemeinderat, dem er seit acht Jahren angehört. Es stehen «Großaufgaben» mit der Sanierung der Stadtpfarrkirche und dem Jubiläumsfest zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2014 bevor.

Herr Kraft, fehlt es an Kandidaten?

Kraft: Ein paar täten schon noch gut. Für die 16 Mandate haben wir bisher rund 20 Vorschläge. Es kommt also zu einer richtigen Wahl. Es fehlt an jungen Leuten; ein eigener Vertreter der Pfadfinder beispielsweise wäre schön; er könnte deren Anliegen viel besser im Rat einbringen.

Wollen die jungen Leute keine Verantwortung mehr übernehmen?

Kraft: Sie setzen sich für kurzzeitige, konkrete Vorhaben ein, etwa für einen Flohmarkt, das Pfarrfest, die Sternsinger-Aktion oder die Erstkommunion-Vorbereitung. Auf diesen erweiterten Kreis temporärer Helfer sind wir angewiesen. Sie sind genauso wertvoll. Auf diesen Zug springen genügend auf. Es fehlt jedoch am langen Atem. Nicht nur bei den Jüngeren. Kaum einer will oder kann vier Jahre permanent am Ball bleiben.

Warum ist es sinnvoll, im Pfarrgemeinderat mitzuwirken?

Kraft: Jeder kann seine neuen, frischen Ideen umsetzen, wenn man so will, sein Steckenpferd reiten. Man kann einiges anstoßen. Das Betätigungsfeld im Sozialen ist unendlich groß. Das Gremium bietet dafür die Plattform und die Unterstützung. Pfarrer Leander Mikschl lässt uns freie Hand. Man könnte die Discoabende wieder beleben, oder etwa Arbeitslosen Hilfestellungen geben.

Hat die Arbeit im Rat Vorteile?

Kraft: Wenn Sie materielle Vorteile meinen, sicher nicht. Es ist aller dings heutzutage für jeden jungen Menschen, der eine Arbeitsstelle sucht, von großem Vorteil, wenn er auf die Mitarbeit in solch einem Gremium verweisen kann. Kirchenpolitik ist nicht immer aalglatt. Es gilt, Verantwortung zu übernehmen und Kritik auszuhalten.

Wieso sind Sie im Pfarrgemeinderat?

Kraft: Das Leben mit der Kirche hat meine Jugend geprägt. Als Ministrant habe ich Disziplin gelernt, als Pfadfinder meine Jugend ausgelebt und Reisen in die Ferne machen können. Leitungs- und Führungsaufgaben, die ich gelernt habe, sind Schlüsselqualifikationen, die heute überall gefordert werden. In der Pfarrgemeinde wächst man ins Leben hinein und findet sich zurecht.

Was hat der Lindenberger Pfarrgemeinderat in den letzten Jahren umsetzen können?

Kraft: Zu den vielen bestehenden Aktionen sind die Flohmärkte zugunsten der Kirchensanierung gekommen, die Kapellenwanderung, der Mädels- und Bubentag und die Beteiligung der Kirche am Stadtfest, als Zeichen der weltlichen Öffnung. Das ist alles so gut angekommen, dass es fortgeführt wird.

Was erwartet einen neu Gewählten in den nächsten vier Jahren?

Kraft: Da wir vor einem Generationenwechsel stehen werden sich die vielen neuen Räte auf den monatlichen Sitzungen erst einmal einarbeiten müssen. Die Sanierung unserer Stadtpfarrkirche und das Jubiläum 2014 stehen im Vordergrund. Der Pfarrgemeinderat wird wohl Zug um Zug Aufgaben übernehmen, die heute noch Pfarrer und Mesner haben. Der Pfarrer wird neben seiner Hauptaufgabe, der Seelsorge, mehr und mehr zum Manager der Kirche. Das Laiengremium wird dadurch an Bedeutung gewinnen. Die sozial Schwachen werden ein Thema; da darf man sich nicht zu sehr auf die Caritas verlassen. Unser Pfarrer stärkt dem Pfarrgemeinderat den Rücken.

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