Röthenbach / Oberstdorf
Ein offener Kamin aus Eis und Schnee

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Schnee und Eis sind für Frank Bergmann vergleichsweise weiche Materialien. Der Bildhauer bearbeitet sonst überwiegend Stein. Der aktuelle Auftrag des Röthenbacher Bildhauers ist noch in anderer Hinsicht ungewöhnlich. Er führt ihn in 1900 Metern Höhe aus. Mit vier Kollegen gestaltet er Iglus im neuen Allgäuer Igludorf auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf.

Seil und Pickel, Gamsköpfe, Edelweiß, Steinadler, einen Herrgottswinkel und Milchkannen schnitzen die Künstler in Igluwände. Selbst einen offenen Kamin haben sie aus dem Schnee gehauen - auf Feuer wird freilich verzichtet. Als Thema haben sie sich «Allgäu» ausgesucht. Unter den Bildhauern sind aus dem Westallgäu neben Frank Bergmann auch Daniel Rauch (Gestratz) und Martin Maurer (Heimenkirch).

Aus 70 Tonnen Schnee

Das Schneedorf wurde von der Burgberger Firma «Iglu-Lodge» gebaut. Jede der weißen Hütten entstand mittels eines großen Ballons, der mit Schnee eingefräst wurde. Nach einer Nacht konnten die Ballons entfernt werden.

70 Tonnen des Baumaterials waren nötig für die runden, weißen Behausungen: sechs Schlafiglus und weitere für Toilette, Bar, Veranstaltungen und für einen Whirlpool. Die ersten Gäste verbrachten die Nacht von Silvester auf Neujahr in den Schneehütten.

Alpenländische Motive

Für Behaglichkeit sorgen neben Beleuchtung, Rentierfällen und dicken Schlafsäcken die Reliefs an den Wänden. Die alpenländischen Motive vermitteln Stuben-Atmosphäre. Und tatsächlich sei es in den Iglus «gar nicht so kalt», wie Frank Bergmann erläutert - und präzisiert: «null bis vier Grad». Zwei Wochen hatten die Bildhauer Zeit, ihre Bilder mit Kelle, Spachtel, Lanzette, Stahlschlingen, Schaufeln und Schaber auszuarbeiten. Um kleine Fehler zu korrigieren, mischten sie sich eine Modelliermasse aus Schneewasser und frischem Schnee.

In jedem der Schlafiglus hat sich ein Künstler allein verwirklicht. Frank Bergmann gestaltete ein großes Gesicht mit Locken und aufgeblasenen Wangen. «Ostner» heißt das Werk des 34-Jährigen. In den Gemeinschaftsräumen tobten sich die Bildhauer gemeinsam aus. Dieser Tage vollenden sie das Event-Iglu.

Skiabfahrt beendet Arbeitstag

Den Fünfen macht ihre Arbeit «wahnsinnig Spaß», wie Bergmann betont. Sie überlegen sich sogar, ob sie eine Firma gründen sollen, um die Eis- und Schneekunst besser zu vermarkten. Den Höhepunkt jedes eisigen Arbeitstags, der in der Früh mit der ersten Fahrt der Nebelhornbahn beginnt, stellt der Heimweg dar. Wenn die Bergbahn bereits den Betrieb eingestellt hat, schnallen die Bildhauer Ski und Snowboard an und fahren runter ins Tal.

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