Heimenkirch.
Ein neuer Klang für die «alte Dame»

80 Jahre hat die Heimenkircher Steinmeyer-Orgel auf dem Buckel. Orgelbaumeister Stefan Heiß nennt das Instrument liebevoll «alte Dame». Wenn sie in der Messe am nächsten Sonntag erklingt, werden die Kirchgänger ihr das gesetzte Alter nicht anhören, denn sie wurde über drei Monate von Heiß und seinen Mitarbeitern auf Vordermann gebracht. Die Restaurierung kostet 80000 Euro.

Als sich die Heimenkircher Pfarrei St. Margareta Mitte der 1920er-Jahre eine Orgel anschaffte, entschied sie sich - wie andere Westallgäuer Gemeinden - für ein sehr gutes Instrument. «Steinmeyer ist der Mercedes unter den Orgeln», erläutert Stefan Heiß. Nach 80 Jahren stellen sich zwar Verschleißerscheinungen ein, aber ein Fachmann kann dem Instrument wieder zum vollen Klang verhelfen.

Zelluloid auf den Tasten

Vor zwei Jahren erhielt Heiß den Auftrag von der Heimenkircher Pfarrgemeinde, das Instrument zu restaurieren. Damals hat es «vorne und hinten geklemmt», sagt der 36-jährige Orgelbaumeister aus Vöhringen. Es habe «Tonversager» oder auch mal den einen oder anderen «Heuler» gegeben.

Heiß hatte also viel zu tun in den vergangenen drei Monaten: Er zerlegte das Instrument in die Einzelteile, reinigte alle 2700 Metall- und die 250 Holzpfeifen, imprägnierte die Orgel «bis in den letzten Winkel des Gehäuses» gegen Holzwurm, lötete defekte Nähte an Metallpfeifen, hobelte durch Trockenheit verzogene Holzteile nach, erneuerte die brüchigen Lederteile an den Taschenventilen, frischte den Spieltisch auf und belegte die Klaviatur - originalgetreu - mit Zelluloid.

Viele dieser Arbeiten erledigten die Fachleute in ihrer Werkstatt, in den vergangenen vier Wochen allerdings waren Heiß und sein Geselle Christian Behr fast pausenlos in Heimenkirch.

Intonieren nach Gehör

Die letzten Arbeitsschritte des Orgelbauers sind Intonieren und Stimmen. Dabei stimmt er eine Oktave mit dem Stimmgerät, anhand dieser gibt er den anderen Oktaven ihre Stimmung nach Gehör. Beim Intonieren erhalten die Register ihre Klangfarben. Auch dabei geht Heiß nach Gehör vor. Dies erfordert musikalisches Gespür und Verständnis für Kirchenmusik - schließlich ist die Orgel eine «Dienende der Liturgie».

Bei der Messe am Sonntag um 9.30 Uhr erklingt die Orgel in St. Margareta zum ersten Mal nach ihrer umfangreichen Generalsanierung. Stefan Heiß selbst wird das Instrument spielen und nach der Segnung durch Pfarrer Franz Xaver Schmid mit einer Improvisation beweisen, was in der «alten Dame» steckt.

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