Ein Leben im Dienst der Tiere

Lindenberg | ver | Im Flur hängen Zeichnungen mehrerer Vogelarten von Willi Pilz, im Wohnzimmer haben sich rund 400 Eulen-Figuren in den Regalen versammelt und Vögel zieren die Kissen auf dem Sofa: Wenn man die Wohnung von Willi und Anita Pilz betritt, ahnt man, was das Paar seit 60 Jahren verbindet. 'Wir haben uns den Einsatz für die Natur und die Tiere als gemeinsamen Lebensinhalt aufgebaut', sagt Willi Pilz, der mit seiner Frau heute Diamantene Hochzeit feiert.

Als das Paar vor 60 Jahren in Berchtesgaden vor den Altar trat, gab es Turbulenzen. 'Es war ein Streik bei der Bahn und ein paar Verwandte steckten bei Augsburg fest', erzählt Willi Pilz.

Seit 1959 in Lindenberg

Zudem gab es Probleme mit einem Taxi, denn das fuhr nur, wenn man Benzin stellte. 'Das hatten wir auch', erinnert sich Pilz, der morgen seinen 83. Geburtstag feiert. Aber: Als das Taxi kam, war der Sprit weg - gestohlen. Dann fehlte einer der Trauzeugen. Trotz allem fand die Hochzeit statt: 'Ende gut - alles gut', sagen Willi und Anita Pilz.

Seit 1959 leben Willi und Anita Pilz in Lindenberg, wo beide in der Hutfabrik der Firma Mayser arbeiteten. Zur Lebensaufgabe für beide wurden die Tiere. 'In den letzten Jahrzehnten haben wir 3426 junge und verletzte Vögel aus 88 Arten gepflegt - dazu unzählige Igel und kleine Pelztiere', erzählt Willi Pilz. Bis 2003 nutzte er ein Gehege im Ort. Als das Grundstück bebaut wurde, ging die Arbeit - eingeschränkt - in den heimischen vier Wänden weiter.

Dabei ist Anita Pilz ebenso engagiert wie ihr Mann, der als Natur- und Tierexperte bekannt ist. Die 79-Jährige kümmert sich um Aufzucht und Pflege der Schützlinge. Die 'gemeinsame Liebe zur Natur und zur Kreatur' hat das Paar zusammengeschweißt und sein Leben geprägt: Denn bei Jungtieren heißt es oft 'alle zehn Minuten füttern - da muss man sich aufeinander verlassen können'.

Wenn die Ehepartner zum Wandern in die Berge gingen, hatten sie bisweilen neben dem Rucksack auch einen Käfig mit Mauerseglern auf dem Rücken. Verreisen war nur im April möglich, da es dann 'keine Jungen gibt' und für Notfälle liegt in der Tiefkühltruhe Vogelkost bereit. Willi Pilz fügt schmunzelnd hinzu: 'Wir sind dafür bekannt, dass wir irgendwo zu Besuch sind und Tiere dabei haben.' An ihre Tochter gaben sie die Tierliebe weiter: In deren Zimmer übernachteten früher auch Eichhörnchen und Siebenschläfer.

Geheimnis des Alters

Zwar bedeute der Einsatz für die Tiere eine 'unglaubliche Eingrenzung der persönlichen Freizeit' - ein Leben ohne tierische Patienten kann sich das Ehepaar aber nicht vorstellen. 'Solange Tiere Hilfe brauchen und wir es schaffen, machen wir das', sagt Anita Pilz und lacht: 'Einen Vogel im Kopf haben wir irgendwie schon beide.' Ihr Mann verrät ein 'Geheimnis, wie man sich im Alter einigermaßen hält: Wir haben viel Zeit in der Natur verbracht, unterm Strich sind es Jahre - und die zählen im Alter nicht'.

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