Ein Leben für Marktoberdorf

Von Vitalis Held, Marktoberdorf - 'Wenn ich mal zu etwas ja gesagt habe, stehe ich dazu.' Dieser Satz zieht sich in vielfältiger Weise durch das Leben von Franz Schmid. Der Marktoberdorfer Alt-Bürgermeister, Ehrenbürger, frühere Ziegeleibesitzer und nach wie vor sehr aktive Kunstmäzen feiert heute seinen 80. Geburtstag. Seine Heimatstadt hat Schmid vor allem in kultureller Hinsicht geprägt: Modeon, Künstlerhaus und Ostallgäuer Kunstausstellung. 1978 wählten die Marktoberdorfer Franz Schmid zu ihrem Bürgermeister. Erfahrung hatte er als Stadtrat und Zweiter Bürgermeister seit 1972 gesammelt. 'Meine Vorgänger hatten bereits viel für die Infrastruktur getan. Nun sollte der kulturelle Bereich dran sein', nennt Schmid seinen Schwerpunkt. Das Kulturleben war damals sehr rege: Orff Chor, musisches Gymnasium, Kapellen und Theater. Doch das alte Stadttheater war überholt und die Kultur brauchte eine neue Heimat. Schmid und der Stadtrat entschieden sich für den Bau des 'Modeons'. Durch diese mutige, rund 8 Millionen Euro teure Investition verfügt die Kreisstadt über ein Veranstaltungshaus, das Publikum aus weitem Umkreis anzieht. Auch der Umbau und die Erweiterung des Rathauses sind Schmids Verdienst. Zudem initiierte er 1978 erstmals die renommierte Ostallgäuer Kunstausstellung. Trotz solcher Großprojekte gelang es Schmid, die Verschuldung der Stadt in seiner zwölfjährigen Amtszeit bis 1990 zu reduzieren. Schmid führt dies auf das 'starke unternehmerische Denken' in der Ziegelei-Familie zurück, das er bei vielen Politikern vermisst. Dabei ließ es der Unternehmer Schmid auch privat nie am Geld für Kultur und Kunst mangeln. Zu seinem 70. Geburtstag spendete er 25000 Mark für den neuen Marktbrunnen.

2001 eröffnete das größtenteils von Schmid finanzierte Künstlerhaus Marktoberdorf. In diesem markanten Backsteinbau finden seither vielbeachtete Kunstausstellungen statt. Dieses Projekt zu sichern und zu ordnen, ist dem 80-Jährigen ein Anliegen. Ebenso wie ihm die Ziegelei am Herzen liegt. Die Produktion verpachtete Schmid nach dem Tod des Sohnes, da auch klar war, dass die beiden Töchter den Betrieb nicht übernehmen wollten. Dies schien damals die beste Lösung - auch wenn heute, so bedauert Schmid, dort keine Ziegel mehr produziert werden. Für Schmid ist es aber etwas Trost, dass sich in den Hallen zehn neue Firmen angesiedelt haben. 'Ich bin bescheiden-stolz, dass in unserer Familie immer der Dienst an der Gemeinschaft und besonders an Marktoberdorf im Vordergrund stand', erklärt Schmid und freut sich, dass dies seine Heimatstadt dadurch gewürdigt hat, dass er nach seinem Großvater bereits der dritte Schmid ist, dem Marktoberdorf die Ehrenbürgerwürde verliehen hat. 'Ich bin dankbar, dass ich überhaupt so alt werden durfte', blickt Schmid gleichzeitig zurück. Am 1. März 1924 geboren musste Schmid nämlich als junger Mann in den Krieg ziehen. Viereinhalb Jahre Gefangenschaft in Sibirien brachte ihm das ein. Schwer an Malaria erkrankt kehrte er erst 1948 nach Marktoberdorf zurück. Nach über 20 sehr schweren Malaria-Anfällen heilten ihn die Ärzte. In Marktoberdorf 'regierte' seinerzeit sein Vater Anton Schmid. Dieser war 1945 von den Amerikanern als Bürgermeister eingesetzt worden, weil er nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur politisch unbelastet war. Anton Schmid integrierte als Rathauschef bis 1968 tausende von Heimatvertriebenen und führte den Markt Oberdorf 1953 zur Stadterhebung. Für dieses Engagement hielt ihm sein Sohn Franz als ausgebildeter Ingenieur den Rücken frei, indem er weitgehend die Ziegelei führte. Schmid, der zweimal verwitwet ist, feierte schon in den vergangenen Tagen: Den 15. Hochzeitstag und den Geburtstag von Ehefrau Doris begingen die Schmids im Kreis ihrer Kinder und zusammen sechs Enkelkindern. Heute nun werden wohl viele Freunde und 'Offizielle' dem Ehrenbürger bei einem Empfang im Künstlerhaus gratulieren.

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