Ein junger Mann im Kampf gegen Aids

Ottobeuren/Uganda (bum). 'Von den 22 Millionen Menschen in Uganda tragen sechs Prozent das Aids-Virus in sich.' Für den jungen Priester Henry Sserwaniko Nganda, der derzeit in der Ottobeurer Pfarrei als Kaplan tätig ist, sind diese Zahlen aus seiner Heimat in besonderer Weise erschreckend. Denn der 34-Jährige hat allein schon vier seiner dreizehn Geschwister durch die tödliche Immunschwäche-Krankheit verloren. Seit seine Mutter durch einen tragischen Busunfall ums Leben kam, pflegte der Vater die Kranken. All diese Erfahrungen haben den jungen Afrikaner bei seinem Theologiestudium in Deutschland und bei seiner Ausbildung zum Sozialarbeiter maßgeblich motiviert. Sowohl seine Diplomarbeit als auch seine Doktorarbeit drehen sich um das Thema Aids und um Fragen wie: Wie kann ich einem jungen Menschen aus theologischer Sicht Trost spenden? Warum gehen christliche Patienten in Afrika in ihrer Not und als letzte Hoffnung zu den Medizinmännern? Was haben wir als Theologen falsch gemacht? In seiner Dissertation unter seinem sozial sehr engagierten Doktorvater, dem Theologen Dr. Ernst Leuninger, hat der Priester schließlich ein ganz praxisorientiertes Pastoralkonzept erarbeitet. Und während der Doktorand noch auf die Bewertung seiner Dissertation wartet, hat er mit der praktischen Umsetzung seiner Ideen bereits begonnen. Seinen Heimaturlaub im Januar nutzte er so intensiv, dass er für seine Familie nur einen Tag Zeit fand. So konnte im Februar schon ein Pilotprojekt anlaufen. Die erste finanzielle Unterstützung leistet die evangelische Kirche Aachen mit 12000 Euro. Dieselbe Summe wird für die nächsten vier Jahre bereitgestellt.

Ökumenische Arbeit Wie der katholische Priester erklärt, habe er seine Arbeit ökumenisch angelegt. In sein Konzept wolle er alle Kranken, auch Protestanten und Muslime in Uganda einschließen. Unter der Devise 'Lasst uns retten, was noch nicht betroffen ist!' soll an allen Schulen der Region um seine Heimatstadt Mityana im Süden des Landes Aufklärung gegen Aids betrieben werden. Das Konzept wird dort in Zusammenarbeit mit sechs Diözesen für ein Gebiet so groß wie Bayern insbesondere auch in der Landessprache L'Uganda umgesetzt. Am stärksten von Aids betroffen sei die Altersgruppe zwischen 15 und 40 Jahren. Deshalb seien die vielen Waisenkinder ein drängendes Problem, so der Kaplan. In seinem Konzept erhalten Waisenkinder Schweine zur Aufzucht und Pflege, um deren Nachwuchs zu verkaufen. An die Betreuung erkrankter Erwachsener könne momentan leider noch nicht gedacht werden. Er überlege sich aber Lösungen zur Selbsthilfe. 'Ich denke an Tauschkreise, in denen sich Menschen ohne Geld gegenseitig helfen', verdeutlichte Henry Nganda. In Leipzig habe er bei einer Initiative für Arbeitslose gesehen, dass so etwas funktionieren könne. Jeder bringe ohne Gewinndenken auf so genannte 'Zeitkonten' sein Wissen, seine Kenntnisse oder seine Zeit ein. In knapp einem Jahr kehrt der Praktikant heim und wird voraussichtlich im Sozialreferat seiner Heimatstadt arbeiten.

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