Pfronten
Ein Inferno wie in einem Kinofilm

Um wenige Tage ist das Alpenhotel in Pfronten-Meilingen an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. «In der Woche davor war das Hotel noch voll», erzählt Chris Köblitz. Kaum auszudenken, wäre es da zu so einem Inferno gekommen wie es Köblitz bis dahin nur aus Kinofilmen kannte. Fünf bis sechs Meter schlugen die Flammen aus den Fenstern und Balkonen, erzählt er. Er war einer der drei Menschen, die am Sonntag neben zwei Hunden und einer Katze im Haus waren, als das Feuer ausbrach (unsere Zeitung berichtete). Die anderen beiden, seine Mutter Roselinde Köblitz sowie der Koch und Pächter Bohumil Hach verbrachten die Nacht auf gestern im Krankenhaus. Mittlerweile sind sie im Appartementhaus untergekommen.

Chris Köblitz hatte das meiste Glück. Er hatte sich provisorisch im ehemaligen Hallenbad im Keller einquartiert, weil der werdende Vater demnächst zu seiner Freundin nach Reutte ziehen will. «Ich bin um 8 Uhr zufällig aufgewacht», erzählt der 41-Jährige. Beim Gang zur Toilette sah er Bohumil Hach durchs Hotel rennen - barfuß im Schlafanzug. So stand er schließlich auch vor dem brennenden Hotel, nachdem er alle Fenster und Türen geschlossen hatte, um den Flammen nicht zu viel Luft zu lassen. Roselinde Köblitz blieben nur ein Bademantel und Badeschlappen, erzählt Chris Köblitz. «Sie hat alles verloren», sagt er über die 78-Jährige.

Im Jahr 2000 hatte sie das Haus gemeinsam mit Bohumil Hach übernommen. Sie erweiterten es um mehrere Zimmer, einen Wintergarten und eine Terrasse, erneuerten die Bäder, steckten Zeit, Geld, Liebe und Herzblut in die Ausstattung. «Die Weihnachtsdekoration haben viele Nachbarn gelobt», sagt Köblitz, der selbst das Bio-Bistro «Schlosseule» in Füssen betreibt und einen Bioladen in Nesselwang eröffnen möchte. Ob womöglich Christbaumlämpchen den Brand ausgelöst haben, ist noch offen. Die Kripo war gestern vor Ort. Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Chris Köblitz war am Sonntag noch Zeit geblieben, sich anzuziehen, seine Katze in die Transportkiste zu packen und seinen Hund an die Leine zu nehmen. Erst als er an der Haustür sah, dass ihm ein brennend herabgestürzter Balkon den Fluchtweg abschnitt, ergriff auch ihn die Panik.

Über ein Geländer rettete er Katze und Hund und schließlich sich selbst in die Arme eines Feuerwehrmanns. Mehr als 200 Helfer waren bis zum Nachmittag in Einsatz. Die Wehren aus Nesselwang und Füssen unterstützten die Pfrontener Ortswehren sowie die Werksfeuerwehr von Deckel Maho. Die Sondereinsatzgruppe Betreuung des Roten Kreuzes versorgte sie mit Tee, Suppe, Kaffee und Kuchen. Den Hund von Bohumil Hach rettete Köblitz schließlich über den Garten. «Der mag mich eigentlich sonst gar nicht», sagt er. Angesichts der Flammen, die ihn umschlossen, änderte er seine Meinung aber wohl rasch.

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