Ein illustres Quartett für Orgelfreunde

Füssen - Zu einer in ihrer Vielfalt beeindruckenden 'Orgelnacht' fanden sich eine beträchtliche Anzahl Orgelfreunde ein, um an vier unterschiedlichen Orten und Instrumenten reizvolle Vergleiche ziehen zu können. Das gesamte Wochenende über stand Andreas Jäger - einer der bedeutendsten süddeutschen Orgelbauer des Barock - im Mittelpunkt des Interesses. Im Zentrum platzierte die 'Gesellschaft der Orgelfreunde' ein 'Wandelkonzert' an eben jenen vier Stationen in Füssen, an denen Jäger unterschiedlichste Instrumente schuf. So wurde den Zuhörern je eine halbe Stunde Konzert geboten, um dann zu Fuß zur nächsten Kirche zu gelangen. Dr. Erich Tremmel, Lehrbeauftragter für Musikwissenschaft der Universität Augsburg, führte mit kurzen, pointierten Worten in die Konzerte ein. In St. Sebastian wurde unter der Überschrift: 'Muffat - Vater & Sohn' begonnen. Professor Wolfgang Baumgratz stellte verschiedenste Toccaten von Georg Muffat sowie dessen Sohn Gottlieb vor. Einige dieser Werke hat Baumgratz auf einer neuen CD eingespielt. Die Jäger-Orgel von 1772 ist von ihrer Disposition her ideal für diese Musik. Neben der kernigen cornethaften Superoctav, die die Klangkrone bildet, sorgen grundtönige 8-Fußregister für ein sattes Fundament. Anschließend fanden sich die Musiker und Zuhörer im Chorraum von St. Mang ein, um dort an der Jäger-Orgel aus dem Jahre 1772 Michael Kaufmann, Musikwissenschaftler aus Trossingen, zu lauschen. Dieser faszinierte besonders beim 'Magnificat octavi toni' von Johann Kaspar Kerll, bei dem er mit seiner klaren Tenorstimme jeweils Abschnitte des Magnificat vorsang, um dann den Instrumentalteil zu gestalten. Humorvoller Kommentar vor dem Abschlussstück seines Konzertes (Leopold Mozart: 'Für den May: Menueto Pastorello'): 'Für schönes Wetter.' Draußen hatte es regnerische acht Grad.

Geräusche zum Schmunzeln In der Spitalkirche hatte Albert Frey, Vorsitzender des Vereins für Alte Musik Füssen, Platz an der Jäger-Orgel von 1732 genommen. Dieses Instrument ist das kleinste der vier erhaltenen Orgeln. An und für sich ein Orgelpositiv, also eine Orgel ohne Pedal, aufgebaut wie ein Schränkchen. Man vernahm mit einem Schmunzeln das durch ein Klacken hörbare mechanische Geräusch der Traktur dieses Kleinods. Erstaunlich, welche kunstvollen, mit reichen Verzierungen ausgeschmückte Töne Frey diesem Instrument entlockte. Unter der Überschrift 'Gedenk-Jahre 2004' gestaltete Baumgratz den Abschluss der Orgelnacht. In der 'Frau am Berg'-Kirche konzertierte er an der Jäger-Orgel von 1774, deren Fertigstellung Jäger selber nicht mehr erlebte. Wie in St. Sebastian besitzt dieses Instrument eine grundtönige Disposition. Baumgratz wählte Vincent Lübecks 'Praeludium und Ciacona d-Moll' als Schlusspunkt aus. Das Werk trägt fast Bachsche Kompositionszüge: Aliquotenbrillanz neben perlenden Läufen. Davor tat sich Albert Frey als ausgezeichneter Altus, also durch seine männliche Altstimme, hervor. Freys Timbre zeichnet sich durch einen vollen, schlackenfreien Ton aus, der mit wenig Tremolo auskommt. Diese Orgelnacht machte nicht nur die hohe Qualität der Orgeln von Andreas Jäger deutlich, sondern auch die Kompetenz der ausführenden Künstler. Heinz Josef Fröschen

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