Ein historischer Augenblick

Von Günter Walcz, Memmingen/Unterallgäu - Ein Akt von historischer Bedeutung war die gestrige Auflösung des Bundeswehr-Standortes Memmingerberg. Gleichzeitig wurde die Standortverwaltung im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr vom Präsidenten der Wehrbereichsverwaltung Süd, Klaus-Jürgen Achterberg, mit Wirkung vom 30. Juni aufgelöst. Damit im Zusammenhang stand die offizielle Verabschiedung des Leiters der Standortverwaltung (St OV), Heinz Vogel, der im September in den Ruhestand geht. Alle rund 570 zivilen Mitarbeiter hätten so sozialverträglich wie möglich eine neue berufliche Perspektive bei der Bundeswehr, im öffentlichen Dienst oder privat gefunden, beschrieb Vogel die derzeitige Situation. Einige seien auch im Rahmen des Tarifvertrages vorzeitig ausgeschieden oder würden noch ausscheiden. Die Kaserne sei von 140000 Artikeln (Möblierung - ohne Truppengerät) geräumt worden. Ein Restbestand von rund 4000 Artikeln sei noch vorhanden. Die Liegenschaft werde mit ihren 210 Gebäuden weiterhin betriebsbereit gehalten und so an das Bundesvermögensamt zurückgegeben. Eine kleine Anzahl fachkundiger St OV-Handwerker könne sie weiter in Schwung halten; wie lange, das hänge von der Entscheidung über eine sinnvolle Nachnutzung ab. Damit gebe er seinen ursprünglichen 'Verwaltungs-, Bewirtschaftungs- und Erhaltungsauftrag' ab, so Vogel. Mit der symbolischen Übergabe des Kasernenschlüssels und der schriftlichen Beurkundung vollzog er diesen Akt.

Viele Erinnerungen Die 68-jährige Geschichte des Fliegerhorstes, die 48 Jahre lang von der Bundeswehr beeinflusst worden sei, berge viele Erinnerungen bei den Menschen im Memminger/Unterallgäuer Raum und darüber hinaus; sie hätten über die Standortschließung hinaus Bestand, so der Präsident der Wehrbereichsverwaltung Süd, Klaus-Jürgen Achterberg. Mit humorig eingeflochtenen Anekdoten ließ er dann die Geschichte des Fliegerhorstes und der Standortverwaltung Revue passieren. Wenn es zum Beispiel Spannungen zwischen dem Geschwader und der St OV gegeben habe, wie bei der Ablehnung eines Wunsches der Truppe, habe man das Tor, das den direkten Zugang zur St OV ermöglichte, wegen 'akuten Personalmangels' seitens des Geschwaders für einige Tage geschlossen. Die Folge seien lange Umwege über die Hauptwache gewesen. Die Mitarbeiter der St OV hätten ihre Aufgaben stets mit Hingabe und jenseits der bloßen Pflichterfüllung ausgeführt. Auch wenn der Anlass des Zusammentreffens kein Grund zum Jubeln sei, so biete sich ihm doch Gelegenheit, eine besondere Anerkennung für das Erreichte auszusprechen, so Achterberg. Ein gutes Team brauche aber auch einen hervorragenden und engagierten Leiter. Das sei Heinz Vogel stets gewesen. Dieser habe jetzt die undankbare Aufgabe, seine Dienststelle aufzulösen, sagte Achterberg. Das werde nicht nur die letzte, sondern auch die schwerste Arbeit in Vogels beruflicher Laufbahn sein. Er sei sich aber sicher, dass der Regierungsoberamtsrat dies mit dem ihm eigenen Engagement und mit gewohnter Umsicht bewältigen werde, so Achterberg weiter.

Elf Härtefälle In einem Rückblick beleuchtete Personalrats-Vorsitzender Günther Weiß kritisch das Geschehen seit der Nachricht über die Auflösung von Fliegerhorst und St OV. Deren Personalabteilung habe seitdem 315 Versetzungen/Abordnungen bearbeitet, 122 Auflösungsverträge abgeschlossen, 119 Anträge auf Altersteilzeit und 22 Maßnahmen zum Renteneintritt bearbeitet. Dazu seien elf Härtefallregelungen gekommen.

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