Kaufbeuren / Ostallgäu
«Ein Hauch von Sibirien»

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«Endlich wissen wir Unterländer auch mal, was ein richtiger Winter ist.» Während der junge Schneepflugfahrer zwischen Eggenthal und Bayersried gestern offensichtlich seine Freude an den Schneemassen und ihrer Beseitigung hatte, hätten vor allem viele Autofahrer gut auf diese verzichten können. Insbesondere auf den Höhenzügen rund um Kaufbeuren sorgte der Schneefall in Kombination mit dem stürmischen Wind dafür, dass etliche Straßen nicht mehr passierbar waren.

Die Schneemenge, die in der Nacht auf gestern und auch während des Tages in Kaufbeuren und Umgebung niederging, wäre für die Räumdienste leicht zu bewältigen gewesen. Doch Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt machten aus dem Niederschlag feinen Pulverschnee, der vom stürmischen Wind in großen Massen verblasen wurde. Deutliches Zeichen dafür waren gestern viele Felder und Äcker, auf denen kaum Schnee lag, während sich an den Hangkanten, an den Schneezäunen und dort, wo Straßen ins Gelände einschneiden, weiße Massen sammelten. Obwohl die Räumdienste laut Polizei die ganze Nacht über im Einsatz waren, waren etliche Fahrbahnen kurz nach der Durchfahrt der Schneepflüge schon wieder zugeweht.

So war nach dem Aufstehen für viele (schon wieder) Schneeschippen angesagt, und im morgendlichen Berufsverkehr rund um die Wertachstadt kam es zum Teil zu dramatischen Szenen. Zum Eggenthaler Ortsteil Bayersried etwa gab es am Morgen nicht einmal mehr für den Schneepflug ein Durchkommen. Erst als ein Bagger zu Hilfe kam, konnten mehrere Autofahrer, die mit ihren Wagen in den Verwehungen stecken geblieben waren, ihre Fahrt fortsetzen. Im Bereich von Germaringen, Blonhofen, Westendorf und Jengen gab es ebenfalls erhebliche Schneeverwehungen und feststeckende Fahrzeuge.

Doch auch wo die Straßen befahrbar blieben, waren diese durch die Verwehungen an vielen Stellen verengt und schneeglatt. Die Folge waren einige kleinere Unfälle, die jedoch alle glimpflich verliefen. In Irsee beispielsweise kollidierte in der unübersichtlichen Kurve der Marktstraße unterhalb der Stephanuskirche ein Schneepflug frontal mit einem Personenwagen. Die beiden Fahrer blieben unverletzt und nahmen die Karambolage gelassen: «Da werden wir nicht die Einzigen sein, denen heute so etwas passiert ist.»

Eine Schrecksekunde gab es für einen 21-jährigen Autofahrer.

Weil ein Omnibusfahrer auf der Straße zwischen Dösingen und Linden aufgrund von Schneeverwehungen mit seinem Bus weit über die Fahrbahnmitte geraten war, musste der junge Mann auf der gegenüberliegenden Seite in den Straßengraben ausweichen. Dabei entstand ein Schaden von rund 4000 Euro an seinem Fahrzeug. Der 51-jährige Buslenker setzte seine Fahrt einfach fort. Als er kurze Zeit später die Unfallstelle erneut passierte, konnte seine Identität festgestellt werden. Deutlich entspannter war die Lage im Kaufbeurer Stadtgebiet - nicht zuletzt, weil durch die Tallage und die dichte Bebauung der Wind bei Weitem nicht so stark wüten konnte.

Zwar blieben hier etliche Neben- und Wohnstraßen noch bis in den Nachmittag hinein schneebedeckt, auf den Hauptachsen konnte der Verkehr aber wie an einem normalen Wintertag rollen.

Wer dagegen nicht mit Motorkraft auf den Straßen unterwegs sein musste und sturmfest ist, der konnte sich an bizarren Schneeformationen und einem «Hauch von Sibirien» erfreuen, wie ein hart gesottener Senior die Wetterlage bei einem Spaziergang zwischen Irsee und Kleinkemnat bezeichnete.

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