Ein guter Streich war für ihn das Salz in der Suppe

Buchloe (mel). - Sie bleiben als willkommene Unterbrechungen des Alltags unvergesslich: die Momente, als Richard Sandner mit einem Schmunzeln auf den Lippen und mit einem Manuskript in der Hand in die Redaktion der Buchloer Zeitung kam. Mit seinem kräftigen Organ, seiner stattlichen Erscheinung - vor allem aber mit seinem unvergleichlichen Humor beherrschte er sofort die Szenerie. Nun trauern die BZ und all seine Weggefährten um den ehemaligen Stadtrat, Rektor der hiesigen Hauptschule, freien Mitarbeiter unserer Zeitung und Träger der Goldenen Bürgermedaille. Er starb nach langer Krankheit am Sonntag im Alter von 64 Jahren. Richard Sandner war ein Original. So imposant - und doch so bescheiden. Immer zu einem Scherz aufgelegt, stets mit vollem Engagement bei der Sache, immer um Harmonie bemüht. Ein Punkt, den auch der jetzige Hauptschul-Rektor Reinhold Geiger hervorhebt: 'Zwischen uns herrschte ein ganz hervorragendes Einvernehmen. In den 30 Jahren unserer Zusammenarbeit gab es nie ein unschönes Wort oder gar einen Streit.' Und so hatte Geiger bei der Verabschiedung Sandners 1999 auch erklärt, er hätte sich keinen besseren Rektor wünschen können. Heute betont er noch einmal: 'Ich habe ihm sehr, sehr viel zu verdanken.' Ab 1971 hatte Sandner an der Hauptschule unterrichtet. 1977 wurde er Zweiter, einige Jahre später Erster Konrektor. Von 1985 bis 1999 leitete er schließlich die Hauptschule. Er sei ein äußerst korrekter Mensch gewesen - und einer, der immer den einzelnen Menschen mit in den Vordergrund stellte, erinnert sich sein Nachfolger Geiger. 'Das haben auch die Schüler mit Sicherheit gemerkt.' Sandner war nicht nur sehr humorvoll ('Gelungene Schülerstreiche sind das Salz in der Suppe der täglichen Arbeit', hatte er einmal bemerkt), sondern auch gesellig - und nach der Verabschiedung als Rektor seiner Hauptschule weiterhin eng verbunden. 1999 hatte er schon angekündigt, jederzeit zu helfen, wenn es Probleme geben sollte. So etwas wird gerne versprochen, aber nicht immer gehalten. Doch bei Richard Sandner war es so. In jenem Jahr, als er vom Schuldienst Abschied nahm, wurde ihm eine große Ehre zuteil: Er erhielt aus den Händen des damaligen Buchloer Bürgermeisters Franz Greif die Goldene Bürgermedaille der Stadt überreicht. Sandners bescheidener Kommentar: 'Ich weiß nicht, ob ich sie verdient habe.'

Schafkopf und Schwammerl Nicht nur der Schule schenkte er seine Zeit und sein Engagement. Von 1978 an war Sandner 18 Jahre lang Buchloer Stadtrat. Zehn Jahre lang hatte er die Funktion des Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden in Lindenberg inne. Beim Buchloer Schachklub, bei der Verkehrswacht sowie als Jugendleiter und -trainer beim FC Jengen war er ebenfalls aktiv. Zu seinen Hobbys gehörten ferner Skat, Schafkopfen, Angeln und das Schwammerlsuchen. Geboren wurde Sandner am 30. August 1939 in Graslitz im Sudetenland. Nach der Vertreibung 1946 verschlug es die Familie nach Irsingen, Siebnach und Ettringen.

Nachtschicht in der Schleiferei Von 1951 bis 1960 besuchte er das Maristenkolleg in Mindelheim. Schon vor dem Abitur stand für ihn fest: Er wollte Lehrer werden. 1960 zogen die Sandners dann nach Augsburg, dort studierte der junge Mann an der Pädagogischen Hochschule, finanzierte die Ausbildung durch seine Arbeit als Nachtschichtler in einer Schleiferei, weil die Eltern ihm kein Geld geben konnten. Seine erste Stelle trat Sandner für ein Jahr in Retzstadt in Unterfranken an, damals - 1963 - heiratete er auch seine Frau Therese, mit der er einen Sohn und eine Tochter großzog. Bevor er schließlich zur Buchloer Hauptschule kam, hatte er von 1964 bis 1971 an der Lindenberger Volksschule unterrichtet. Sohn Gunter kam 1964, Tochter Sandra 1971 zur Welt. Und was Sandner Ende der 90er Jahre, genauer im April 1998, nochmals besonders stolz machte: Er wurde Opa. Mit der kleinen Tamina war er künftig viel im Buchloer Stadtgebiet zu sehen. Der BZ war Richard Sandner jahrzehntelang eine Stütze. Er schrieb als freier Mitarbeiter unzählige Artikel, machte Fotos und übernahm sogar Sonntagsdienste in der Redaktion. Mit seinem unvergleichlichen Charme und natürlich mit seiner flotten Schreibe schaffte er es immer wieder, uns dazu zu bewegen, über die eine oder andere Versammlung viel ausführlicher zu berichten, als wir es eigentlich vor hatten. Wir werden ihn sehr vermissen.

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