Ein großer Schatz

Kaufbeuren | agi | Ungewöhnliche Geburtstagswünsche erhielt das Frauentelefon Kaufbeuren-Ostallgäu bei seiner 15-Jahr-Feier im historischen Sitzungssaal des Rathauses. So wünschte Landrat Johann Fleschhut den derzeit 28 aktiven Telefonfrauen nicht nur Motivation, sondern viel Langeweile im Dienst. 'Denn das würde bedeuten, dass es keine Notfälle gibt', so der Landrat schmunzelnd. Allerdings ist das utopisch, wie die Statistik des 1992 gegründeten Notfalltelefons belegt.

Seitdem haben 84 Telefonfrauen 27 000 ehrenamtliche Stunden am Frauentelefon verbracht. Zusätzlich belegen die Damen regelmäßige Fortbildungskurse, besprechen sich in Supervisionen. Auch Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse zog Resümee über die vergangenen 15 Jahre. Laut Statistik nähmen mehr Frauen aus dem Landkreis als aus der Stadt das Angebot wahr. Das Gros der Anruferinnen sei zwischen 40 und 50 Jahre alt. Thematisiert würden weniger Gewaltproblematiken als vielmehr Sucht- und psychische Belastungen.

'Jemand der mir einfach mal zuhört', sei gefragt, so Gleichstellungs- und Familienbeauftragte Cornelia Wagner. Doch versteht sich das Frauentelefon nicht nur als geschulter Zuhörer. Die Telefonfrauen bieten oft Hilfestellung, 'weisen aber den Anruferinnen ebenso den Weg in unser Netzwerk', so Bosse. Für diese Kooperationsgemeinschaft versprachen sowohl der OB als auch der Landrat weiterhin finanzielle Unterstützung von Stadt und Landkreis. 'Sie sind ein großer Schatz über den wir verfügen', lobte Fleschhut die Einrichtung Frauentelefon.

Eine Frau der ersten Stunde ist Gundula Herget. Sie erinnert sich noch bestens an ihre ersten Einsätze am Telefon: 'Nach der Ausbildung haben wir erst einmal gebibbert, was da auf uns zukommt.' Denn: Wenn das Telefon klingelt, wissen die Telefonfrauen nie, welche Thematik und Problematik sie vom anderen Ende der Leitung her erwartet. 'Da rutscht einem anfangs das Herz in die Hose.'

Anonymität wichtig

Und egal wie klein oder groß die Sorgen der Anruferinnen sind, 'bei uns ist jeder willkommen'. Name, Alter und Wohnort spielen dabei keine Rolle, denn Anonymität hat Priorität beim Frauentelefon. Auch für die Telefonfrauen bringt ihr Ehrenamt viele positive Begleiterscheinungen. Freundschaften unter den Kolleginnen gehören ebenso dazu, wie eine veränderte Sicht auf eigene Sorgen. 'Wenn man nach vier Stunden Dienst mit schlimmen Problemen heimkommt, schrumpfen die eigenen. Man wird dankbarer für das, was man selber hat.'

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