Ein großer Korb für den Osterhasen

Von Sylvia Rustler Sontheim - 'Zuerst habe ich einen Draht um den halben Eselsbauch gebogen', erzählt Ortrun Bilgram. 'Dann die Rundung auf Sperrholz abgezeichnet, ausgesägt und als Schablone verwendet.' Stolz streicht sie über einen Korb. Nach oben stehen die Weiden noch gut einen Meter ab. Die anderen feinen Äste in unterschiedlichen Brauntönen sind kunstvoll ineinander geflochten. Auf einer Seite ist der Korb leicht eingedellt. Hier ist Platz für den Bauch von Esel Luca, der den Korb später umgeschnallt bekommen soll. Den Flechtkurs in der Dampfsäg macht Betreiberin Ortrun Bilgram schon seit einigen Jahren mit und kann deswegen schon kompliziertere Gebilde herstellen. Die anderen Teilnehmer versuchen sich heute an einem Kartoffelkorb. Acht Stunden dauert das Seminar von Petra Franke. Zuerst gibt sie eine Materialübersicht. 'Man kann zum Beispiel mit den Weiden des Hartriegel- oder des Brombeerstrauchs flechten. Die Brombeerweiden muss man aber zuerst Entdornen', erklärt sie. Dann schneidet sie einen Ast durch und zeigt auf das Innere. 'Man verwendet am besten Ruten vom Vorjahr. Die sind schon durchgetrocknet.'

Rosenscheren und Ziegelsteine Nach der kurzen Einführung geht es los. Kleine Messer, Rosenscheren und Ziegelsteine liegen auf Biertischen. 'Am Anfang war es etwas schwierig', sagt Annegret Schlich etwas später. Gerade schlängelt sie ein Ästchen einmal vor, dann wieder hinter den nach oben stehenden Weiden vorbei. 'Aber es ist entspannend, einen Tag mal richtig kreativ zu sein und eine Auszeit vom Beruf zu nehmen', sagt sie. Auch für Franke war das Handwerk anfangs nur ein Hobby. Bei einem 70-jährigen blinden Korbmacher habe sie oft ihre Freizeit verbracht. 'Dann hatte ich gar keine Lust mehr, Papier zu bewältigen', erzählt die gelernte Industriekauffrau. Kurzerhand entschied sich zu einer zweiten, dreijährigen Ausbildung zur Korb- und Flechtwerkgestalterin in Südtirol. Seit vier Jahren gibt sie in der Dampfsäg zwei Mal im Jahr Kurse. An jedem können maximal zehn Personen teilnehmen. Schlich hat sich schon für das nächste Mal angemeldet. Unter dem Biertisch, an dem sie gearbeitet hat, liegen nun viele kleine Zweigstückchen. Mit der Rosenschere zwickt sie die letzten störenden Astenden ab, hält den Korb an den beiden Griffen, dreht und wendet ihn nach allen Seiten. Dann lächelt sie und sagt: 'Für Kartoffeln ist der wirklich zu schade. Ich werde ihn für den Osterhasen rausstellen, damit er mir Eier reinlegt.' Sie grinst. 'Viele Eier. Deswegen habe ich ihn so groß gemacht.'

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