Ein Griff in die Plastiktüte - und aus Barwasser wird Pelzig

Memmingen | hku | 'Mein Name ist Barwasser', stellt sich der Gesprächspartner vor. Er trägt eine Brille, schwarzen Pulli und schwarze Hose. Er trägt aber auch ein orange-weißes Karohemd. Es gehört eigentlich zu einem anderen Menschen. Zu Erwin Pelzig nämlich.

Um aus Barwasser Pelzig zu machen, greift er in eine weiße Plastiktüte. Dort hat der Kabarettist eine schwarze Trachtenjacke verstaut. Als er im Memminger Cineplex-Kino vors Publikum tritt, trägt er auch einen Cordhut und hat eine Herrentasche dabei. Die Brille hat er weggesteckt. Barwasser ist tot, es lebe Pelzig. Pelzig stellt an diesem Abend seinen ersten Film vor: 'Vorne ist verdammt weit weg.'

Doch zurück zu Barwasser. Vor dem Auftritt im Kinosaal erzählt der 47-Jährige, warum er seine Kunstfigur erstmals zum Schauspieler gemacht hat: 'Ich hätte es nicht 14, 15 Jahre mit Pelzig ausgehalten, wenn ich nicht immer wieder etwas Neues mit ihm probiert hätte.' Barwasser war Journalist beim Bayerischen Rundfunk, als die Figur des Erwin Pelzig entstand. Bald verlegte er sich ganz aufs Kabarett. 'Pelzigs Bekanntheit war erdrückend. Meine Interviewpartner waren irritiert, dass da ein normaler Mensch mit ihnen sprach. Die dachten, ich müsste lustig sein, dabei wollte ich als Rundfunk-Reporter seriöse Antworten', erzählt Barwasser.

In Pforzheim fündig geworden

In diesen Anfangsjahren brauchte er einmal neue Klamotten für einen Auftritt. Er ging in den Würzburger Kaufhof und griff zu Cordhut und Karohemd. Es sei 'reiner Zufall' gewesen, dass gerade das im Einkaufskorb landete. Heute will Pelzig ohne Cordhut nicht mehr sein. Doch der ist inzwischen aus der Mode. Als er für den Film ein paar Ersatzexemplare brauchte, musste eine regelrechte Fahndung gestartet werden. 'Nach langer Suche wurden wir in Pforzheim fündig.'

Äußerlich ist Pelzig immer derselbe geblieben, doch sein Charakter habe sich verändert, analysiert Barwasser: 'Zuerst war er terrierhafter, heute ist er etwas ruhiger.' Er habe im Laufe der Zeit auch von Pelzig gelernt, erzählt der Kabarettist. Nämlich offensiv zu sein, nicht um den heißen Brei herum zu reden.

Wie es ist, wenn Pelzig loslegt, kann man später im Kinosaal verfolgen. Bei den Dreharbeiten zu 'Vorne ist verdammt weit weg' habe er sein Filmauto mit Phantasie-Kennzeichen einmal vor dem Würzburger Maritim-Hotel abgestellt. 'Nach einer halben Stunde hatte ich einen Strafzettel. Den Halter suchen sie heute noch.'

Noch bevor der Film im Cineplex losgeht, verabschiedet sich Pelzig vom Publikum, das ihn mit viel Applaus verwöhnt. Vor dem Kinosaal steckt er die Trachtenjacke in die weiße Plastiktüte, holt den schwarzen Pulli und die Brille heraus. Aus Pelzig ist wieder Barwasser geworden.

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