Ein furchtbares Theater

Kaufbeuren/Biessenhofen (fro). - Nach dem die Bundesregierung ihre Kündigung zurückzog, scheint Toll Collect nun doch das satellitengestützte Mautsystem bauen zu dürfen. An sich eine gute Sache meinen Ostallgäuer Spediteure, wenngleich 'großer Missmut' über den 'Dilettantismus in der Ausführung' herrscht, so Christian Winkler, Prokurist der Spedition Ansorge in Biessenhofen. Am 1. September 2003 sollte das elektronische von Satelliten unterstützte Mautsystem in Deutschland an den Start gehen, wofür die Lastwagen mit speziellen Geräten ausgestattet werden sollten. Aber das ausführende Konsortium Toll Collect konnte den Vertrag in der Praxis nicht einhalten. Stattdessen gab es Pannen und daraufhin Vertragsgerangel mit dem Auftraggeber, der Bundesregierung. Diese hatte deshalb vor kurzem den Vertrag gekündigt - um ihn jetzt wahrscheinlich in einer anderen Version nochmals mit Toll Collect zu schließen. 'Wir hatten auf den 1. September hingearbeitet und 160 Lkw mit dem Erfassungssystem On-Board-Unit (OBU) ausgerüstet. Das kostete uns eine sechsstellige Summe, aber wir waren startklar', berichtet Winkler. Auch bei der Neugablonzer Spedition Selco habe man die Vorleistungen erfüllt, um bei Toll Collect gelistet zu werden und in einigen Lkw seien auch schon Geräte eingebaut worden - pro Fahrzeug für 260 Euro. 'Aber die OBU haben nicht funktioniert beziehungsweise andere Funktionen lahmgelegt', sagt Geschäftsführer Markus Krause.

Ganz ähnlich Erfahrungen machte der stellvertretende Fuhrparkleiter der Spedition Finsterwalder, Sylvio Hofseß: 'Die Registrierung bei Toll Collect ist super. Schwerfällig ist aber die Beratung und die Betreuung ist einfach miserabel'. Die OBU seien schon nach zwei Tagen der Reihe nach ausgefallen, aber deren Austausch nur bei einigen auserwählten Partnern von Toll Collect möglich gewesen. Das sei ein 'furchtbares Theater' gewesen, erinnert sich Hofseß. In einem sind sich die Spediteure einig: 'Mit Sicherheit ist das System eine sinnvolle Sache, wenn es denn funktionieren sollte', stellt Krause klar. 'Dadurch würden wir international wettbewerbsfähiger.' Er hat die Geräte aus den Lastwagen bei Selco nicht ausbauen lassen: 'Die Regierung und Toll Collect konnten aus dem Sache auch wegen der Vorleistungen nicht raus.' Bei Ansorge hingegen hat man die Lkw wieder umgerüstet. 'Die Fahrzeuge waren deshalb teilweise dreimal in der Werkstatt. und die Kosten dafür zahlt uns kein Mensch. Jetzt werden wir gar nichts mehr machen', sagt Winkler. Bei Finsterwalder lässt man die wenigen alten Geräte an Bord, will aber vorerst keine Lkw mehr an- oder abmelden. Die Fahrer würden nur noch Scherze zu dem Thema machen. 'Und ganz Europa lacht schon über Deutschland', so Hofseß.

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