Ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele

Immenstadt | raf | Helmut Eberl ist ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Und deshalb begleitet ihn dieser Reflex wohl das ganze Leben lang: Hört der 77-Jährige in seiner Wohnung das Martinshorn der Löschfahrzeuge, so greift er zum Telefon und hakt sofort im Feuerwehrhaus nach: 'Wo brennt's?'

Sage und schreibe 48 Jahre lang leitete Helmut Eberl als engagierter Vorsitzender die Geschicke der Immenstädter Wehr. Diese einmalige Ära geht nun zu Ende: Bei der Jahresversammlung am heutigen Freitag wird der verdiente Feuerwehrchef sein Amt abgeben.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hatte den damals 16-Jährigen die Begeisterung für die Retter in rot gepackt. Nur zwei Jahre später wurde der junge Immenstädter zum Maschinisten befördert, nachdem er statt eines Autoführerscheins direkt die Lizenz zum Lenken schwerer Fahrzeuge erworben hatte. Ausgerückt wurde kurioserweise mit einem Cabrio: einem LF 8 Marke 'Hansa' aus den 30er Jahren. Das Fahrzeug, das auf seinen Bänken bis zu zehn Wehrmännern Platz bot, war während des Krieges im weiten Umkreis gefragt und fuhr in Bombennächten sogar zu Einsätzen ins ferne München.

Schon damals zeichnete die Feuerwehr eine ganz besondere Kameradschaft aus: Wie 'Pech und Schwefel' habe man zusammengehalten, erinnert sich der 77-Jährige. Was ein Stück weit auch daran lag, dass sich Helmut Eberl 1946 gemeinsam mit weiteren Ministranten zum freiwilligen Dienst gemeldet hatte. So kam es, dass mancher Einsatz im Altarraum der Pfarrkirche St. Nikolaus seinen Anfang nahm. Wieviele Male Helmut Eberl seit 1946 ausgerückt ist, vermag er heute nicht mehr genau zu sagen.

Einige Einsätze jedoch sind besonders im Gedächtnis geblieben. 'Etwa 1960, als wir an der Spitze des Umzugs zur Immenstädter 600-Jahr-Feier standen und von dort zu einem Brand nach Hofen mussten.' Oder bei einem dramatischen Feuer in der alten Bachreute, bei dem ein Toter zu beklagen war. 'Weil es nachts um ein Uhr keinen Leichenwagen gab, haben wir den Verstorbenen notgedrungen mit unserem Fahrzeug ins Leichenhaus gebracht', berichtet Eberl.

Nicht nur die Einsatzbereiche, auch Ausrüstung und Domizil der Wehr waren im Lauf der Jahrzehnte einem steten Wandel unterzogen. Wobei der Unternehmer im Ruhestand für alle Neuerungen engagierter Motor und ausdauernder Spendensammler war. Egal ob Drehleiter-Kauf oder das 1980 eingeweihte Feuerwehrhaus: Ohne seine stete Unterstützung, da sind sich auch die Verantwortlichen der Stadt einig, wäre die Immenstädter Feuerwehr bei weitem nicht da, wo sie heute steht. Dem Amtswechsel am heutigen Abend sieht das Urgestein übrigens mit großer Gelassenheit entgegen: 'Ich habe das all die Jahre mit viel Leidenschaft gemacht - aber jetzt wird es Zeit, dass ein Jüngerer nachrückt.'

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