Füssen
Ein fesselndes Zeitbild

Sekundenlanges betroffenes Schweigen herrschte, als sich der Vorhang schloss, nachdem der scharfe Knall des Fallbeils das Ende des Verurteilten bezeugte. Dann begeisterter minutenlanger, später auch rhythmischer Beifall für die 22 Hauptdarsteller und Statisten. Viele Vorhänge erklatschten die rund Besucher des fast komplett gefüllten Festspielhauses, die von der Aufführung der Volksbühne Füssen total begeistert waren.

Sollten Zuschauer ein Bauerntheater mit Schenkelklopfen und Lachsalven erhofft oder erwartet haben, so waren sie im Festspielhaus bei «Kneißl - eine bayerische Legende» am falschen Ort. Hier ging es um die schwierigen und schweren Zeiten um 1900, in denen sich die Menschen - besonders auf dem Land - irgendwie über Wasser halten mussten, und sei es mit Unerlaubtem, der Wilderei. Es war «ein fesselndes kulturgeschichtliches Zeitbild Bayerischer Verhältnisse um die Jahrhundertwende», wie es im Programmheft heißt. So hatte sich die Volksbühne mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt und mit eindrucksvoller schauspielerischer Leistung, zum Teil unter die Haut gehender Musik, dramatischer Beleuchtung und Geräuschen die wirklich nicht immer «gute, alte Zeit» auf die große Bühne des Festspielhauses gebracht. Einfache Wirtshausmusik vom Bühnenrand aus von fünf Musikern um Jo Mörz gespielt, stimmte immer wieder auf die Situationen ein.

Dass das Volkstheater Füssen einen über die Grenzen hinaus guten Ruf hat, zeigte das volle Haus. «Die spielen den Kneißl ja nur einmal, da muss man schon hin», meinte ein Besucher aus Hopferau. Gleich für das erste Bühnenbild gab es Applaus. Immer wieder erzeugten die verschiedenen Episoden aus dem Leben der armen Familie bei den Zuschauern Mitgefühl und Verständnis, aber auch Verärgerung der Obrigkeit gegenüber.

Mit netten kleinen Gags arbeiteten die Regisseurin Irene Klenke und ihre Assistenten zusätzlich zu der eindrucksvollen Gesamtinszenierung. So, als die zur Beerdigung des Vaters Kneißl hereinschreitenden Musiker plötzlich abbrachen, und meinten «Ez glangts, mehr is net zohlt» konnte trotz des Ernstes der Situation geschmunzelt werden. «Die Akteure waren spitze und mitreißend, besonders der junge Draufgänger Kneißl», so das Urteil einer jungen Nesselwangerin.

Mit dieser Aufführung hat die Volksbühne Erstklassiges geleistet.

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