Lindau / Westallgäu
«Ein echtes Teufelszeug»

«Das Steuerrecht ist manchmal ein echtes Teufelszeug», stellt Gerhardt Eichhorst fest. Der Steueramtsrat ist seit 45 Jahren nahezu täglich mit den neuesten Vorschriften und Gesetzen konfrontiert. Seine 80 Zuhörer in der Lindauer Inselhalle glauben ihm das sofort. Denn sie sind gekommen, um sich dieses «Teufelszeug» in jenem Bereich erklären zu lassen, der für Vereine von Bedeutung ist.

Eichhorst ist seit 29 Jahren für die Besteuerung von Vereinen zuständig und somit auch Ansprechpartner für die Vereine im Landkreis Lindau. «Dabei spielt es keine Rolle, wer Vorsitzender des Vereins ist», stellt er fest. Für das Finanzamt ausschlaggebend ist der Ansprechpartner. Und das ist in Sachen Finanzen meist der Kassier.

Anders sieht es bei der Haftungsfrage aus. Sie stellt sich, wenn ein Verein «vorsätzlich oder grob fahrlässig» falsche Zuwendungsbescheinigungen ausstellt. Doch Eichhorst weiß aus der Praxis: «Wer sorgsam handelt, dem droht keine Haftung.» Damit ein Verein solche Bescheinigungen ausstellen darf, muss er als gemeinnützig anerkannt werden. Die Voraussetzungen dafür sind: Der Verein darf nicht eigenwirtschaftlich handeln und er muss der Allgemeinheit selbstlos dienen.

Das kann der Sport- und der Musikverein sein, aber auch der Golfclub. Doch schon ist Eichhorst bei einem Sonderfall, denn mancher Golfclub sperrt durch hohe Beiträge die Allgemeinheit aus. Schon ist die Gemeinnützigkeit dahin.

«Wachsweich» geht es nach Ansicht von Eichhorst zu, wenn ein Verein religiöse Zwecke verfolge. Es gibt aber auch eindeutige Richtlinien: Kein Vereinsmitglied darf finanziell begünstigt werden. Das schließt aber nicht aus, dass Gelder fließen. Allerdings setzt das eine Gegenleistung voraus. So ist eine Anstellung denkbar, aber auch eine Zahlung eines steuerfreien Übungsleitergeldes in Höhe von 2100 Euro jährlich oder der neuen «Ehrenamtspauschale» von 500 Euro an jene Mitglieder, die sich etwa im Vorstand engagieren.

Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Solange der Verein das tut, was seine Satzung vorsieht, fallen keine Steuern an. Wohl aber, wenn es einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gibt, beispielsweise in Form eines Festzeltes. Liegt der Umsatz unter 35000 Euro, fallen aber auch hier keine Körperschafts- und Gewerbesteuer an. Liegt der Umsatz darüber, darf ein Gewinn von bis zu 5000 Euro gemacht werden. Erst dann kassiert der Fiskus mit.

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