Immenstadt
Ein Besuch als Geschenk

Sofia dreht Runde um Runde auf ihrem Einrad, dabei passiert die Neunjährige jedes Mal haarscharf den Christbaum, der im Speisesaal des Immenstädter Spitals aufgebaut ist. Ihre Freundinnen Katharina und Eltiana springen mit ihren Seilen im Kreis. Als sie dabei mit den Beinen hängenbleiben, lachen sie kurz auf und nehmen einen neuen Anlauf. Da lacht auch Werner Raune. Der 83-Jährige sitzt in der ersten Stuhlreihe und verfolgt das Geschehen. Wie viele der Bewohner des Altenwohn- und Pflegeheims ist er ins Erdgeschoss gekommen, um die Vorführung der jungen Artisten zu sehen. «Es ist schön, dass die Schüler uns besuchen», sagt der 83-Jährige. «Ich habe schon immer etwas für Kinder übrig gehabt.»

Wagemutige Körperpyramiden

Ein Tag vor dem Auftritt findet in der Königsegg Grundschule die Generalprobe statt. Die Klasse 4d hat ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt: Die Schüler zeigen wagemutige Körperpyramiden, steigen aufeinander und recken die Arme in die Höhe. Immer wenn ein Schüler zu kippen droht, kommen ihm schnell Mitschüler zur Hilfe. Nach der Vorstellung holen sich die jungen Artisten von ihren Mitschülern Tipps und Kritik. Es gibt viel Lob: «Das habt ihr schon sehr gut gemacht, aber bei der Pyramide müsst ihr noch aufrechter stehen», sagt einer der Schüler.

Lehrerin Kerstin Matthies steht daneben und beobachtet ruhig das Geschehen, nur gelegentlich greift sie ein. «Das Besondere ist, dass die Schüler sich alles selbst ausgedacht und es selbstständig einstudiert haben», erzählt sie. Vor den ersten Proben hatte es eine Abstimmung gegeben, ob in diesem Jahr wieder Weihnachtspakete für Hilfsbedürftige geschnürt werden oder ob die Schüler für die Menschen im Altenheim verschiedene Einlagen vorbereiten: Die Schüler stimmten einhellig für die Vorführung. «Wir wollten den alten Leuten eine Freude machen», erzählt die zehnjährige Katharina. Einige Kinder der Klasse sind nicht christlichen Glaubens, dennoch treten alle auf. «Wir feiern zwar nicht alle Weihnachten, aber trotzdem können wir etwas schenken», sagt Elif.

Das gelingt den Schülern bei ihrem Auftritt zu 100 Prozent. Die Menschen klatschen begeistert mit, wenn vier Mädchen «Mamma Mia» von Abba singen, verfolgen gespannt, wie die Buben ihre Fußbälle hin- und herdribbeln und halten den Atem an, wenn die kleinen Artisten Pyramiden aufrichten. «Es erinnert mich an meine Kindheit», sagt Werner Scheidner. «Dass die Kinder gekommen sind, ist eine schöne Überraschung.» Das sei kurz vor Weihnachten eine Freude, so der 86-Jährige. «Heute wünsche ich mir nur noch Gesundheit; als ich im Alter der Kinder war, hatte ich noch ganz andere Wünsche», sagt er und lächelt.

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